Freitag, 07. August 2020

Mussolinis Erben wollen aus Familiengruft Mausoleum machen

Die Erben Benito Mussolinis (1883-1945) fordern von der norditalienischen Gemeinde Predappio, dem Heimatdorf des Duce, dass die Familienkrypta mit den Resten des faschistischen Diktators zum Mausoleum erklärt wird. Ziel ist, die Gruft zum „historischen und architektonischen Erbgut“ zu erklären, wodurch die private Krypta im Interesse der Gemeinschaft geschützt werden solle.

Das Grab des ehemaligen Diktators ist nach wie vor eine Art Pilgerstätte für seine Anhänger.
Das Grab des ehemaligen Diktators ist nach wie vor eine Art Pilgerstätte für seine Anhänger. - Foto: © ANSA / GIORGIO BENVENUTI
Predappio ist seit jeher Pilgerort für faschistische Nostalgiker. Die Familie Mussolini erklärte sich bereit, die Familiengruft, die derzeit geschlossen ist und nur bei wenigen Anlässen geöffnet wurde, einer Stiftung anzuvertrauen, die sie verwalten solle. Sollte die Krypta Besuchern zugänglich gemacht werden, sollte die Gemeinde für die Kosten der öffentlichen Sicherheit aufkommen, lautet die Forderung der Familie Mussolinis wie die Tageszeitung „La Stampa“ am Freitag berichtete.

Die Bewunderung für und der Kult um Benito Mussolini ist in Italien auch 75 Jahre nach dessen Tod noch weit verbreitet, nicht nur bei Älteren. Mehrere Italiener betrachten den mit Adolf Hitler verbündeten faschistischen Diktator als einen von Italiens besten Staatsmännern. Anlässlich von Mussolinis Geburtstag am 26. Juli und am Todestag am 28. April pilgern unzählige Menschen zum Grab Mussolinis.

Die 6000 Seelen-Gemeinde wird vom Mitte-rechts-Bürgermeister Roberto Canali geführt. Dieser erklärte sich bereit, die Forderungen der Familie Mussolini zu prüfen. Geschäftsleute in der Gemeinde drängen auf die Eröffnung der Krypta, da sie dank der Besucher Souvenirs verkaufen könnten. In Geschäften der Ortschaft werden Büsten des einstigen Machthabers in verschiedenen Größen, T-Shirts, Poster und Fahnen mit Mussolinis Antlitz angeboten. Auch Gläser und Teller mit Slogans des faschistischen Regimes, sowie Kalender mit Aussprüchen Mussolinis sind seit Jahren ein Renner.

Benito Mussolini kam als Sohn eines sozialistischen Schmiedes in Predappio zur Welt. Sein Geburtshaus war eine Kultstätte, die von Hunderttausenden besucht wurde. Der Diktator wurde am 28. April 1945 von Partisanen am Comer See erschossen. Seine Leiche und die seiner Geliebten Clara Petacci wurden auf der Piazzale Loreto in Mailand kopfüber aufgehängt.

Erst zwölf Jahre nach seinem Tod kam Mussolini wieder an den Ort zurück, an dem er geboren wurde. 1957 wurde der Leichnam der Familie übergeben, die ihn in der Familienkrypta in Predappio beisetzte.

apa