Montag, 24. Juni 2019

Mutmaßlicher Putsch-General in Äthiopien erschossen

Nach mehreren tödlichen Angriffen auf führende Vertreter der äthiopischen Sicherheitskräfte ist der mutmaßliche Urheber am Montag erschossen worden. General Asaminew Tsige, der sich „seit dem fehlgeschlagenen Putsch vom Wochenende” in der Region Amhara „auf der Flucht” befunden habe, sei in der Stadt Bahir Dar im Nordwesten Äthiopiens erschossen worden, berichtete der regierungsnahe Sender EBC.

Äthiopiens Premier gilt als Reformer und hat viele Feinde Foto: APA (AFP)
Äthiopiens Premier gilt als Reformer und hat viele Feinde Foto: APA (AFP)

Asaminew war der Sicherheitschef der autonomen Region Amhara. Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hatte Asaminew als Hauptverdächtigen des „Putschversuchs” bezeichnet. Am Samstag waren der Regionalpräsident von Amhara, der Generalstaatsanwalt und der äthiopische Generalstabschef Seare Mekonnen bei verschiedenen Anschlägen tödlich verletzt worden.

Das Internet war in Äthiopien am Montag den dritten Tag in Folge landesweit außer Betrieb. Schon in der vergangenen Woche gab es erhebliche Internet-Störungen, für die keine Begründung geliefert wurde.

Asaminew war im vergangenen Jahr im Rahmen einer Amnestie-Regelung nach fast zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Inhaftierung erfolgte wegen eines geplanten Putsches im Jahr 2009. Kürzlich tauchte ein Facebook-Video auf, in dem Asaminew Zivilisten dazu aufrief, sich zu bewaffnen. Er propagierte Besitzansprüche Amharas auf die benachbarte Region Tigray.

Nationaler Trauertag

Die Regierung erklärte den Montag zum nationalen Trauertag. Die Opfer würden am Dienstag in Amhara und Addis Abeba beerdigt, sagte Nigussu. UN-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte die Tat und sagte Regierungschef Abiy seine Unterstützung zu, wie Sprecher Stephane Dujarric mitteilte.

Der genaue Hintergrund des Vorfalls war weiterhin unklar. Der junge Regierungschef Abiy gilt seit seinem Amtsantritt vor etwas über einem Jahr als Reformer. Er hat unter anderem das Verbot mehrerer Oppositionsgruppen aufgehoben und mit dem Langzeit-Rivalen Eritrea Frieden geschlossen. Allerdings hat sich der 42-Jährige auch viele Feinde gemacht. Zudem sind im vergangenen Jahr mehrere ethnische Konflikte in dem Vielvölkerstaat wieder aufgeflammt.

Mit über 100 Millionen Einwohnern ist Äthiopien nach Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas, Amhara gehört zu den neun autonomen Regionen des Landes. Das Land legte in jüngster Zeit ein rasantes Wirtschaftswachstum hin. Dennoch zählt es nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Welt.

apa/dpa/ag.

stol