Donnerstag, 10. März 2016

„Na, guate Nacht“ im Waltherhaus

Heinz-Christian Strache bleibt sich treu, auch in Bozen. Eine Diskussion rund um Flüchtlinge und Brennergrenze – ein Heimspiel für den FPÖ-Obmann, würde man meinen. Doch applaudiert wird an anderen Stellen.

Strache, wie man ihn kennt: Stahlblaue Augen, Stehkragen, starke Sprüche. - Foto: DLife
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Strache, wie man ihn kennt: Stahlblaue Augen, Stehkragen, starke Sprüche. - Foto: DLife

Heinz-Christian Strache war am Mittwochabend Stargast einer Podiumsdiskussion, zu der der Südtiroler Schützenbund geladen hatte. „Österreich und Südtirol im zukünftigen Europa“ – darüber wollten der FPÖ-Chef und Johannes Rauch, Nationalratsabgeordneter der ÖVP, diskutieren. Flüchtlinge, Grenzzäune, Schutzmacht. „Ein Abend zur Erörterung der Chancen und Gefahren, welche sich im Rahmen der sich stetig ändernden Bedingungen für unser Land ergeben“, legte der Schützenbund im Flyer zur Veranstaltung die Stoßrichtung fest.

Vom Polizeiauto abgeholt

Und Strache tat, was von ihm erwartet wurde. Er lieferte. „Südtirol ist ein Herzensanliegen“, stellte er in seinem ersten Statement mit Mikrofon fest. Auf der Fahrt nach Bozen sei er an der Brennergrenze – und ja, am Brenner befinde sich nach wie vor eine Grenze! – nicht kontrolliert worden. „Allerdings wurde ich von einem Polizeiauto mit Blaulicht abgeholt“, erzählte er. Lachen im gut besetzten Waltherhaus.

Strache als Zugpferd: Volle Sitzreihen im Waltherhaus. - Foto: DLife

 

Zaun als Notwendigkeit

Den Grenzzaun am Brenner sieht Strache als Notwendigkeit. Das Wort „Grenzmanagement“ nahm er in zwei Stunden Diskussion nie in den Mund. Die EU, auch Italien, müsse endlich ihre Hausaufgaben machen, die Außengrenzen kontrollieren. Strache nannte es: „Die Wadln viere richten“.

Verhandlungen mit der Türkei: „Na, guate Nacht“, sagte Strache, ein „Pakt mit dem Teufel“. Die Grenzschutzagentur Frontex: Komplett fehl am Platz, fand der FPÖ-Chef. Letzten Endes habe sie die Aufgabe, die Flüchtlinge – und große Teile davon seien Wirtschaftsmigranten – nach Europa zu holen und dort zu verteilen. „Na, guate Nacht“, kommentierte Strache wieder und konnte nur den Kopf schütteln.

Bekannte Gesichter in den Reihen: Strache spricht, die Freiheitlichen lauschen.

 

Die heißen Themen bleiben die alten

Besser also das Selbstbestimmungsrecht einfordern und umsetzen. „Die Österreicher wollen euch haben“, rief der FPÖ-Chef in den Raum, „ein Tirol“, und erntete dafür Applaus. Ohnehin sei die aktuelle Situation der Tatsache geschuldet, dass kein Südtiroler Landeshauptmann bisher das Selbstbestimmungsrecht eingefordert habe. Und was die Doppelstaatsbürgerschaft anbelange, so sei dies „Bedingung für eine schwarz-blaue Koalition“ in Wien. Es waren dies die Passagen, für die Strache den meisten Beifall einfahren konnte.

ÖVP-ler Johannes Rauch betitelte Bozen als „eine wunderschöne Tiroler Stadt“, gratulierte dem Schützenbund zur gelungenen Veranstaltung. Doch am Ende blieb ihm die unliebsame Aufgabe, die Kontrollen am Brenner zu verteidigen. Der Applaus dafür fiel verhalten aus.

Johannes Rauch (ÖVP; links) stellte sich tapfer den Fragen der Moderatoren und des Publikums. Die Show machte sein Sitznachbar.

 

stol

stol