Mittwoch, 13. Januar 2021

Vergewaltigte, Gefolterte, Mörderin: Erste Frau nach 67 Jahren hingerichtet

Die Regierung des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump hat kurz vor dessen Ablösung eine wegen Mordes verurteilte Frau hinrichten lassen. Die Lebensgeschichte der Hingerichteten ist mehr als tragisch.

Lisa Montgomery war schuldig gesprochen worden, 2004 eine Schwangere getötet und ihr Ungeborenes aus dem Bauch geschnitten zu haben. Sie wurde in der Nacht auf Mittwoch hingerichtet.
Lisa Montgomery war schuldig gesprochen worden, 2004 eine Schwangere getötet und ihr Ungeborenes aus dem Bauch geschnitten zu haben. Sie wurde in der Nacht auf Mittwoch hingerichtet. - Foto: © APA/afp / -
Die 52-jährige Lisa Montgomery starb in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) durch eine Giftspritze im Gefängnis in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana, wie die „New York Times“ und andere Medien unter Berufung auf die zuständige Behörde berichteten.

Dies sei die erste Hinrichtung einer nach Bundesrecht verurteilten Straftäterin seit 1953, hieß es. Stunden zuvor hatte der Oberste Gerichtshof mit 2 Entscheidungen den Weg für die Exekution frei gemacht.

Schwangere getötet und Baby aus dem Bauch geschnitten

Montgomery war im Jahr 2007 des Mordes sowie Kidnappings schuldig gesprochen worden, nachdem sie eine schwangere Frau getötet und ihr das Baby aus dem Bauch geschnitten hatte. Für die Tat, die über die USA hinaus Abscheu und Entsetzen ausgelöst hatte, wurde sie später zum Tode verurteilt.

Im Jahr 2004 hatte Montgomery die damals 23-jährige Bobbie Jo Stinnett im Internet kennengelernt. Sie besuchte ihr Opfer zu Hause in Skidmore (Missouri) unter dem Vorwand, einen Hund von ihr kaufen zu wollen.

Stinnett wurde erwürgt und mit aufgeschnittenem Unterleib aufgefunden. Nach einer US-weiten Suche spürte die Polizei Tage später die Täterin im Nachbarstaat Kansas auf. Das Kind hatte sie bei sich. Freunden und Bekannten erzählte sie, es sei die eigene Tochter. Das Mädchen überlebte die Tat und wuchs beim Vater auf.

Lisa Montgomery: Ein Leben der Qual und Misshandlung

Wie „Huffington Post Italia“ schreibt, war das Leben der Hingerichteten alles andere als ein glückliches: Im Prozess hatte die Verteidigung mehrmals auf ihre Kindheit hingewiesen, die schließlich zur geistigen Verwirrung führte.

Schon als kleines Kind musste sie miterleben, wie ihre ältere Stiefschwester vom Babysitter vergewaltigt wurde, später wurde auch Lisa selbst Opfer von Gewalt: Der Stiefvater schlug und vergewaltigte sie regelmäßig.

Später lud er sogar seine Freunde ein: Gemeinsam vergewaltigten sie das Mädchen stundenlang, anschließend urinierten sie auf ihr Opfer.

Die Mutter, die von den Vergewaltigungen wusste, gab der Tochter die Schuld, schreibt „Huffington Post Italia“. Mehr noch: Sie prostituierte ihre Tochter, etwa an den Elektriker oder den Klempner, wenn Reparaturarbeiten anfielen.

In den Monaten vor dem Mord an Bobbie Jo Stinnett hatte Lisa Montgomery mehrfach behauptet, selbst schwanger zu sein – was unwahrscheinlich war. Wie „Huffington Post Italia“ schreibt, war sie nach der Geburt ihres 4. Kindes ohne ihre Einwilligung sterilisiert worden.

Ein Leben also, geprägt von Gewalt, Demütigung und Schmerz. Sandra Babock, eine der Anwältinnen von Montgomery, fasste einst zusammen: „Lisa ist nicht die Schlechteste der Schlechten. Sie ist die Zerrissenste der Zerrissenen.“

Noch 2 weitere Hinrichtungen geplant

Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hatte die Vollstreckung von Todesurteilen im vergangenen Jahr nach einem gewonnenen Rechtsstreit wieder aufgenommen. Während viele US-Bundesstaaten die Todesstrafe vollstrecken, hatte es zuvor auf Bundesebene seit 2003 keine Hinrichtung mehr gegeben. Medienberichten zufolge hat die Regierung seither 10 Straftäter hinrichten lassen.

Bis zur Amtsübernahme des siegreichen Trump-Herausforderers Joe Biden am 20. Jänner will die US-Regierung nach Angaben des Death Penalty Information Centers noch 2 weitere Todesurteile vollstrecken.

Der künftige Präsident Biden - ein Demokrat - hat sich für die Abschaffung der Todesstrafe auf Bundesebene ausgesprochen. Der Republikaner Trump ist ein Befürworter der Todesstrafe.

apa/liz

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