Der Grund ist laut Medienberichten eine Anzeige seiner Frau gegen ihn wegen häuslicher Gewalt.<BR /><BR />Details zu den Anschuldigungen lagen gestern nicht vor. Laut unbestätigten Medienberichten soll es vor einigen Tagen zu einem heftigen häuslichen Streit zwischen Vettori und seiner Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung gekommen sein; dabei soll es auch zu einem Polizeieinsatz gekommen sein. <BR /><BR />Als die Beamten vor Ort eintrafen, soll Vettori die Wohnung bereits verlassen haben. Nach einer Anzeige der Ehefrau gegen den Fratelli d’Italia-Gemeinderat soll ein Annäherungsverbot und das Verlassen der gemeinsamen Wohnung gegen Vettori verhängt worden sein. So sieht es das sogenannte „Codice Rosso“-Gesetz zum Schutz von Frauen vor Gewalt vor.<BR /><BR />Beim „Roten Kodex“ sind bestimmte Straftaten gegen Frauen – darunter häusliche Gewalt sowie damit zusammenhängende Verbrechen wie z.B. Stalking, Verstöße gegen das Annäherungsverbot – prioritär zu behandeln. Opfer werden schneller angehört, Schutzmaßnahmen sofort erlassen, die Ermittlungen laufen auf Vorzugsschiene. Eine der Möglichkeiten, eine Frau in solchen Fällen zu schützen, ist das Tragen einer elektronischen Fußfessel für den Beschuldigten, um ein Annäherungsverbot zu überwachen und Verstöße sofort zu erkennen.<BR /><BR /> Diese alarmiert dann sowohl das potenzielle Opfer als auch die Polizei, wenn der Träger der Fessel dem Opfer zu nahe kommt. Die Bozner Staatsanwaltschaft räumt dem „Roten Kodex“ absolute Priorität ein; eine eigene Arbeitsgruppe aus vier Staatsanwälten am Bozner Landesgericht bearbeitet ausschließlich solche Fälle. Die Ehefrau von Vettori soll nach dem Streit ins Spital gebracht worden sein, wo die Ärzte eine eintägige Heilungsdauer festgestellt haben sollen. <BR /><BR />In Bozen musste bereits einmal ein Gemeinderatspräsident zurücktreten. Im Jahr 2014 legte Matteo Degli Agostini sein Amt nieder. Er soll gegenüber seiner damaligen Partnerin handgreiflich geworden sein.<h3> Vettori: „Ich bin nicht gewalttätig“</h3>In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber den Medien erklärte Carlo Vettori gestern zu den Presseberichten, dass er Bürgermeister Claudio Corrarati über seine Absicht, am Montagmorgen (heute; Anm.d.Red.) seinen Rücktritt als Gemeinderatspräsident einzureichen, informiert habe. Gemeinderat will Vettori, der seine Parteimitgliedschaft gestern ruhend gestellt hat, bleiben. Er habe großen Respekt vor den Institutionen, die er stets mit Engagement und Würde vertreten habe, erklärte er. <BR /><BR />„In Erwartung der Klärung einer heiklen und privaten Scheidungssituation habe ich – unter Wahrung der Privatsphäre meiner drei Kinder und der Institutionen – beschlossen, von meinem Amt als Präsident des Gemeinderats zurückzutreten“, heißt es in der Mitteilung von Carlo Vettori. Er sei sicher, dass er seinen Beitrag zur Leitung des Gemeinderats wieder leisten könne, sobald die Wahrheit wiederhergestellt sei. Zu den Vorwürfen häuslicher Gewalt gegen ihn schreibt der 43-Jährige: „Ich bin kein gewalttätiger Mensch, ich habe nie eine Frau geschlagen, schon gar nicht die Mutter meiner Kinder.“<h3> Politische Reaktionen</h3> „Ich nehme zur Kenntnis, dass Vettori sich entschieden hat, sein Amt niederzulegen“, sagte Bürgermeister <b>Claudio Corrarati</b> zur Rücktrittsankündigung des Gemeinderatspräsidenten, der Teil seiner Mehrheit im Gemeinderat ist. „Jetzt ist es wichtig, dass die Dinge ihren Lauf nehmen.“<BR /><BR />„Wir sind alle gegen jede Form von Gewalt, insbesondere gegen Gewalt innerhalb der eigenen vier Wände oder gegen Frauen. Die Fakten dieses konkreten Falls werden von der Justiz geklärt, in die wir unser Vertrauen setzen“, betonte Landesrat <b>Marco Galateo</b>, Parteichef von Fratelli d’Italia in Südtirol. Vettori habe „verantwortungsvoll seinen Rücktritt als Präsident des Gemeinderats bekannt gegeben“.<BR /><BR /> Als „korrekte und verantwortungsvolle Geste“ bezeichnete Landesrat <b>Christian Bianchi</b>, Koordinator von Forza Italia in Südtirol, den Rücktritt. Dieser werde es Vettori ermöglichen, „diese persönliche und familiäre Angelegenheit anzugehen, ohne dass seine institutionelle Rolle Gegenstand politischer Spekulationen werden könnte“, so Bianchi. Seine Partei ist ebenfalls Teil der Mehrheit im Gemeinderat.<BR /><BR />„Wir vertrauen auf die Arbeit der Behörden, die für die Wahrung der Gerechtigkeit verantwortlich sind“, schreibt die oppositionelle <b>Fraktion des Partito Democratico </b> (PD) im Gemeinderat in einer Stellungnahme. „Es handelt sich um eine persönliche Angelegenheit, und wir hoffen, dass Klarheit geschaffen wird und Vettori seiner Verantwortung gerecht wird.“ <BR /><BR />Im Zusammenhang mit den Vorwürfen sei die Entscheidung von Präsident Vettori, sein Amt niederzulegen, „ein notwendiger Schritt, um die Autorität und Glaubwürdigkeit der Institutionen zu schützen, die über allen persönlichen oder momentanen Interessen stehen müssen“, erklären die Grünen-Gemeinderäte <b>Chiara Rabini, Cornelia Brugger</b> und <b>Rudi Benedikter</b> in einer gemeinsamen Aussendung. „Die Legitimität derjenigen, die öffentliche Ämter bekleiden, beruht auf vorbildlichem und transparentem Verhalten.“