Freitag, 22. Januar 2021

Nach Razzia: Erdbeben bei Oppositionspartei UDC

Ein Erdbeben erschüttert die christdemokratische Oppositionspartei UDC. Die Polizei hat einen Betrügerring der kalabrischen Mafia zerschlagen und dabei auch 2 Politiker festgenommen.

Der ehemalige Parlaments- und Europaabgeordnete Lorenzo Cesa, Chef der christdemokratischen UDC, gehört zu den Verdächtigen.
Der ehemalige Parlaments- und Europaabgeordnete Lorenzo Cesa, Chef der christdemokratischen UDC, gehört zu den Verdächtigen. - Foto: © ANSA / CLAUDIO ONORATI
Wie die Staatsanwaltschaft in Catanzaro am Donnerstag bekannt gab, wurden bei der Razzia 13 mutmaßliche Mitglieder der 'Ndrangheta verhaftet, 35 weitere wurden unter Hausarrest gestellt.

Ihnen werde Steuerhinterziehung durch falsche Rechnungen, kriminelle Verschwörung und illegale Erlangung öffentlicher Aufträge vorgeworfen, u. a. im Bereich der persönlichen Corona-Schutzausrüstung wie Masken, Helme und Handschuhe.

Ehemaliger Abgeordneter unter den Verdächtigen

Der Einsatz gegen die 'Ndrangheta wurde vom bekannten Anti-Mafia-Staatsanwalt Nicola Gratteri geleitet. Unter den Verdächtigen ist auch der ehemalige Parlaments- und Europaabgeordnete Lorenzo Cesa, Chef der christdemokratischen UDC.

Der 69-jährige Parteichef trat umgehend zurück und beteuerte seine Unschuld. Cesa bat, von den ermittelnden Staatsanwälten sofort befragt zu werden. „Ich vertraue der Justiz voll“, sagte der Christdemokrat.

Ein zu Cesas Partei gehörendes Mitglied des Regionalparlaments der süditalienischen Region Kalabrien wurde festgenommen. Dabei handelt es sich um Francesco Talarico, der das Finanzressort in der Regionalregierung Kalabriens betraut.

Die Mafia soll ihm bei den Wahlen im März 2018 Stimmen beschafft haben. Im Gegenzug soll er der 'Ndrangheta Zugang zu öffentlichen Aufträgen ermöglicht haben. Cesa wird den Angaben zufolge verdächtigt, zwischen Talarico und der Mafia „vermittelt“ zu haben.

Die Ermittler in Catanzaro untersuchten 1800 Konten und 388.000 Bankgeschäfte mit einem geschätzten Umsatz von 250 Millionen Euro. Außerdem wurden 266.500 Telefongespräche abgehört.

Premier Giuseppe Conte hatte im Rahmen einer Regierungskrise in Rom mit der UDC für deren Einstieg in die Regierungskoalition verhandelt. Die Partei hatte das Angebot jedoch abgelehnt und sich zum Verbleib in der Opposition entschlossen.

Staatsanwalt Gratteri leitete bereits die Untersuchung, die vorige Woche zur Eröffnung des größten Prozesses gegen die 'Ndrangheta in Italien geführt hat.

350 mutmaßliche Mitglieder und Helfer der Organisation sind in diesem Verfahren in Lamezia Terme angeklagt.

apa

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