Die italienische Politikerin Emma Bonino ist am Montagin Rom in ernstem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die 78-Jährige wurde gegen 18 Uhr mit einem Rettungswagen und rotem Notfallcode, der höchsten Dringlichkeitsstufe, in das römische Santo Spirito eingeliefert Nach Angaben des behandelnden Arztes Claudio Santini hatte sich Boninos Atemfunktion verschlechtert. <BR /><BR />Sie sei jedoch weiterhin wach und ansprechbar. Die Ärzte beschlossen, sie über Nacht im Krankenhaus zu behalten und ihre Vitalparameter engmaschig zu überwachen. Eine genaue Diagnose lag noch nicht vor. Nach Angaben ihrer engsten Mitarbeiter waren weitere medizinische Untersuchungen im Gange. Bonino hatte bereits Ende 2025 nach einem Unwohlsein auf der Intensivstation des Santo Spirito gelegen.<BR /><BR />Damals erklärten die behandelnden Ärzte, dass es sich nicht um ein Wiederauftreten ihres 2015 diagnostizierten Lungentumors, sondern um ein Stoffwechselproblem gehandelt habe. Nach einer weiteren Behandlung im Ospedale San Filippo Neri wurde sie nach etwa einer Woche entlassen.<BR /><BR />Bei Bonino war 2015 ein kleinzelliges Bronchialkarzinom (Mikrozytom) festgestellt worden. Nach dem Bericht galt die Erkrankung 2023 als überwunden. Im Oktober 2024 war sie allerdings erneut wegen Atemproblemen intensivmedizinisch behandelt worden. Die Nachricht löste in der italienischen Politik große Anteilnahme aus. Carlo Calenda, Vorsitzender von Azione, schrieb auf X: „Meine persönliche Nähe und die der gesamten Gemeinschaft von Azione zu Emma Bonino. <BR />Halte durch.“<BR /><BR />Bonino gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und zugleich eigenwilligsten Persönlichkeiten der italienischen Politik. Die 1948 im piemontesischen Bra geborene Politikerin engagierte sich bereits in jungen Jahren für Bürgerrechte und gesellschaftliche Reformen. <BR />Besonders verbunden ist ihr Name mit der radikalen Bewegung und ihrem langjährigen Einsatz für Frauenrechte, die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, Menschenrechte und internationale Entwicklungszusammenarbeit.<BR /><BR />Auf europäischer Ebene war Bonino seit den 1970er Jahren politisch aktiv. Sie wurde mehrfach in das Europäische Parlament gewählt und übernahm später verschiedene Funktionen in italienischen Regierungen. <BR />Unter anderem war sie Außenministerin Italiens und zuvor Ministerin für internationalen Handel und europäische Angelegenheiten. <BR /><BR />International bekannt wurde Bonino auch durch ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen. Als EU-Kommissarin war sie unter anderem für humanitäre Hilfe, Fischerei und Verbraucherschutz zuständig. In dieser Funktion setzte sie sich für internationale Hilfsprogramme und den Schutz von Menschenrechten ein. Bonino gilt zudem als eine der prominentesten italienischen Befürworterinnen einer stärkeren europäischen Integration. Ihre politische Laufbahn war dabei nicht auf ein einzelnes Lager beschränkt. Sie arbeitete im Laufe der Jahre mit unterschiedlichen politischen Kräften zusammen und blieb auch außerhalb klassischer Parteistrukturen eine einflussreiche Stimme.<BR /><BR />Ein zentraler Bestandteil von Boninos politischem Wirken war der Kampf für individuelle Freiheitsrechte. Bereits in den 1970er Jahren engagierte sie sich für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Italien. Später setzte sie sich unter anderem für die Rechte von Frauen, Geflüchteten und Minderheiten sowie gegen die Todesstrafe ein. <BR /><BR />Auch gesundheitspolitische Themen spielten in ihrem öffentlichen Leben eine wichtige Rolle. Bonino sprach wiederholt offen über ihre eigene Krebserkrankung und über medizinische Behandlungen. Damit trug sie dazu bei, Krankheiten und gesundheitliche Probleme stärker aus der privaten Sphäre in die öffentliche Debatte zu bringen.<BR /><BR />Trotz wiederholter gesundheitlicher Rückschläge blieb Bonino politisch aktiv. Ihre direkte Sprache, ihre Unabhängigkeit und ihre Bereitschaft, auch unpopuläre Positionen zu vertreten, machten sie zu einer ungewöhnlichen Figur der italienischen Politik.