In einer heiklen Phase wie in der laufenden Wahlkampagne vor den Regionalwahlen am 28. und 29. März müssten sich die Institutionen gegenseitig respektieren, hieß es in einer Pressemitteilung des Staatsoberhauptes. Napolitano reagierte damit auf die jüngsten Attacken von Regierungschef Silvio Berlusconi gegen die Staatsanwälte der süditalienischen Stadt Trani, die wegen Einflussnahme und Drohungen gegen ihn ermitteln. Die Autonomie der Staatsanwälte müsse respektiert werden, warnte Napolitano.Der Staatspräsident klopfte zugleich dem Obersten Richterrat CSM auf die Finger, der empört auf die von Justizminister Angelino Alfano angeordnete Inspektion im Justizpalast Tranis reagiert hatte. Das Justizministerium habe das Recht festzustellen, wie die abgeschriebenen Abhörungen von Berlusconis Telefongesprächen an die Presse gelangt seien, so der Staatschef. Napolitano mahnte jedoch, dass die Inspektionen des Ministeriums nicht die laufenden Ermittlungen beeinflussen dürften.Justizminister Alfano lobte die Worte des Präsidenten. Sie seien Ausdruck großer politischer Ausgewogenheit. Auch Berlusconi zeigte sich über Napolitanos Worte zufrieden. „Der Präsident kritisiert den Obersten Richterrat, der auf unerträgliche Weise die Justiz gegen uns einsetzt“, betonte der Regierungschef.Berlusconis Rechtsanwalt Nicolò Ghedini forderte unterdessen die Staatsanwaltschaft Trani auf, das Dossier über die Ermittlungen gegen den Premierminister dem Ministergericht in Rom einzureichen. Dieses Gericht ist für Fälle zuständig, in die Regierungsmitglieder verwickelt sind.Berlusconi war vergangene Woche erneut ins Visier der Justiz geraten. Der Premierminister soll auf den Funktionär der Kommunikationsbehörde AGCOM, Giancarlo Innocenzi, Druck für eine Abschaltung regierungskritischer Talkshows ausgeübt haben. „Vor jedem Urnengang setzt sich eine Allianz aus der Linken und einem Teil des Richterstands in Bewegung, um die Stimme der Italiener zu beeinflussen“, reagiert Berlusconi empört.apa