Gleichzeitig kritisierte der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth einige NATO-Mitglieder wegen ihrer Militärausgaben und ihrer Haltung zum Iran-Krieg scharf. Außerdem kündigte er eine Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa an. „Es ist eine Überprüfung, bei der einige Länder durchfallen und andere mit Bravour bestehen werden“, sagte Hegseth in Brüssel.<BR /><BR />Viele Länder setzten die beim vergangenen NATO-Gipfel in Den Haag beschlossenen Verpflichtungen zwar um, sagte Hegseth, aber „einige müssen noch mehr tun und wir werden darüber offen sprechen“. Er halte es für „wichtig, dass Freunde ehrlich miteinander sind“, sagte er im Beisein von Rutte. Der US-Verteidigungsminister hob die Bedeutung weiterer Investitionen in die „verteidigungsindustrielle Basis“ hervor, um „amerikanische Interessen“ zu schützen, „aber zugleich auch die Stärke der NATO und unserer Verbündeten“.<BR /><BR />Viel zu lange sei die NATO „ein Papiertiger und eine Einbahnstraße“ gewesen. „Damit ist jetzt Schluss“, sagte Hegseth. Nötig sei es, die NATO wieder in ein echtes Militärbündnis zu verwandeln, das sich auf militärische Stärke und glaubwürdige Abschreckung konzentriere. Die Stärke des Bündnisses stamme nicht von Komitees und kleinen Flaggen auf den Tischen, sondern von „Kriegern“. „Und deshalb verstärken wir unsere Bemühungen, die NATO zu dem zu machen, was sie immer sein sollte: ein ausgewogenes Bündnis, in dem Europa die Führung für seine eigene Verteidigung übernimmt: NATO 3.0“, sagte er.<BR /><BR />Es gebe Schritte in die richtige Richtung, aber auch echte Rückschläge, „die wir nicht ignorieren können“, sagte der US-Minister. Und: „Trotz all unserer Klarheit scheinen zu viele Hauptstädte unserer Verbündeten noch immer etwas misszuverstehen.“ Er kritisierte: „Einige der größten Volkswirtschaften der NATO, einige unserer reichsten Länder, Verbündete, die am liebsten über die regelbasierte internationale Ordnung und das Zusammenstehen von Mittelmächten sprechen, scheinen immer noch zu glauben, dass die Ära des Trittbrettfahrens weitergeht.“<h3> USA wollen Präsenz in Europa verringern</h3>Die Alliierten hatten US-Präsident Donald Trump beim Gipfel im vergangenen Jahr zugesagt, spätestens ab 2035 jährlich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Sicherheit zu investieren. 3,5 Prozent des BIP sollen in klassische Verteidigungsausgaben fließen und weitere 1,5 Prozent in anderweitige verteidigungsrelevante Ausgaben. Bisher lag das Ziel bei zwei Prozent.<BR /><BR />Die USA planen seit Jahren eine Verringerung ihrer Präsenz in Europa, um sich stärker im Indopazifik engagieren zu können. Ende Mai informierte das US-Verteidigungsministerium die Alliierten, in welchem Umfang Washington seinen Beitrag zum sogenannten NATO Force Model zurückfahren wird. Zudem stoppte Washington die geplante Stationierung von Langstrecken-Marschflugkörpern in Deutschland. Das Streitkräftemodell bildet den übergeordneten Rahmen dafür, wie nationale Streitkräfte dem Bündnis zur Verfügung gestellt werden. Informationen über die einzelnen Beiträge sind streng geheim. Medienberichten zufolge wollen die USA aber künftig unter anderem deutlich weniger strategische Bomber und Kampfjets bereitstellen, auch ein US-Flugzeugträger soll dem System entzogen werden.<h3> Pistorius: „Werden vieles kompensieren können“</h3>Bezüglich der US-Kürzungen sprach sich der deutsche Verteidigungsminister Pistorius für einen geordneten Übergang aus. „Im Großen und Ganzen werden wir vieles kompensieren können, aber wir brauchen etwas mehr Zeit“, sagte Pistorius vor dem Treffen am Donnerstag. Es sei „schwierig und gefährlich für die Sicherheit des NATO-Gebiets in Europa, wenn Fähigkeiten abgezogen werden, sehr schnell, ohne dass klar ist, wann sie kompensiert werden können“, verdeutlichte er.<BR /><BR />Entscheidend sei nun die „Synchronisierung der einzelnen Schritte“, so Pistorius. Es müsse verhindert werden, „dass gefährliche Fähigkeitslücken in Europa im konventionellen Bereich entstehen“. Für präzise Langstreckenwaffen sei entweder eine „Überbrückung oder eben Zeit“ notwendig bis sie abgezogen würden. „Darüber wird zu verhandeln sein mit unseren amerikanischen Partnern.“<BR /><BR />NATO-Generalsekretär Rutte hatte zuvor erklärt, dass es sich bei den US-Beiträgen um ein Planungsinstrument handle. Im Ernstfall würden alle Partner zusammenstehen. Alle Verbündeten, auch die USA, würden dann alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Verteidigung sicherzustellen.<BR /><BR />Das Treffen der Verteidigungsminister findet drei Wochen vor dem NATO-Gipfel in der Türkei statt und soll den Vorbereitungen dienen. Deutschland und Großbritannien werden am Donnerstagnachmittag in Brüssel die sogenannte Ukraine-Kontaktgruppe leiten. Es sollen weitere Militärhilfen für die von Russland angegriffene Ukraine koordiniert werden.