Montag, 22. März 2021

Nawalny über sein Straflager-Leben: Ich habe zwei „Lieblingsmomente“

Kremlgegner Alexej Nawalny hat seinen Alltag in einem russischen Straflager in gewohnt humorvoller Art mit einer Episode des Science-Fiction-Films „Krieg der Sterne“ verglichen.

Das Urteil gegen Nawalny wird im Westen heftig kritisiert.
Das Urteil gegen Nawalny wird im Westen heftig kritisiert. - Foto: © APA (AFP) / KIRILL KUDRYAVTSEV
In einem am Montag bei Instagram veröffentlichten Beitrag schrieb der Oppositionelle, in seiner täglichen Routine im Lager gebe es zwei Momente, die er „verhimmele“ – „beide sind früh am Morgen“.

Um 6 Uhr müssten er und seine Mitgefangenen aufstehen. 10 Minuten später sei Training mit dem Abspielen der Hymne. Man möge sich die Gegend um die Baracken vorstellen mit Schnee, Männern in Stiefeln und Pelzmützen im Dunkeln und die Hände auf den Rücken. „Die ganze Zeit schallt aus einem Lautsprecher an einem hohen Mast: ,Sei gepriesen, du unser freies Vaterland‘“, machte er sich lustig darüber, dass in der Hymne von Freiheit die Rede ist, er aber in einem im Westen als politisch motivierten Prozess eingestuften Prozess zu Lagerhaft verurteilt wurde. „Einfach ein Genuss.“

Sein zweiter „Lieblingsmoment“ folge bald darauf: „Marschieren an Ort und Stelle“, schrieb Nawalny. „In diesem Moment stelle ich mir vor, dass ich in der russischen Neufassung von ,Krieg der Sterne‘ mitspiele.“ Statt der „imperialen Sturmtruppen“ spielten Gefangene in Kitteln und Pelzmützen mit. „Sie haben Zigaretten in den Zähnen.“

Nawalny war zu mehreren Jahren Straflager verurteilt worden, weil er gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Er hält sich seit knapp einer Woche in einem Lager im Gebiet Wladimir rund 100 Kilometer östlich von Moskau auf.

apa/dpa

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