Montag, 21. September 2020

Nawalny will von Russland Rückgabe seiner Kleidung

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat von Russland die Rückgabe der Kleidung gefordert, die er vor mehr als einem Monat am Tag seiner Vergiftung trug. „Meine Kleidung ist ein sehr wichtiger Beweis“, schrieb Nawalny am Montag auf seiner Webseite. Die russischen Ermittler würden dieses „entscheidende Beweisstück verbergen“.

Nawalny traut den russischen Behörden nicht.
Nawalny traut den russischen Behörden nicht. - Foto: © APA (dpa/privat/Instagram) / Daria Nawalny
Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland bewusstlos geworden, vermutlich nach einem Giftanschlag. Die behandelnden Krankenhaus-Ärzte in der sibirischen Stadt Omsk sagten der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, dass Ermittler die Kleidung mitgenommen hätten.

Gift in Körper festgestellt

Nawalny schrieb weiter, die russischen Behörden behaupteten, dass kein Nervenkampfstoff gefunden worden sei. Unabhängige Labors hatten das Gift jedoch in seinem Körper festgestellt. „Nichts davon existiert in der politischen und rechtlichen Realität Russlands.“

Der Oppositionspolitiker wird seit dem 22. August in der Berliner Universitätsklinik Charite behandelt. Er wurde nach Angaben von Speziallaboren mit einem Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Wochenlang lag er in künstlichem Koma. Mittlerweile geht es ihm besser.

Dank an Angehörige

Inzwischen kann Nawalny wieder gehen. Viele Dinge fallen ihm aber noch schwer. In den sozialen Medien dankte er seiner Frau Julia für ihre Hilfe. „Julia, du hast mich gerettet. Das soll in den Lehrbüchern über Neurobiologie ergänzt werden“, schrieb der 44-Jährige.

Seine Frau habe sich während des Komas stets um ihn gekümmert, mit ihm gesprochen, ihm Lieder vorgesungen und Musik eingeschaltet. Er könne sich an nichts davon erinnern. Julia habe ihn aber wie in einem Film mit „Liebe und unablässiger Fürsorge“ wieder zum Leben erweckt.

Untersuchungen noch nicht abgeschlossen

Inzwischen will die russische Transportpolizei eigenen Angaben zufolge bei Vorermittlungen im Fall des vergifteten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny bisher rund 200 Personen befragt haben. Die Untersuchung sei noch im Gange, teilte sie am Montag in Moskau mit.

Die Transportpolizei erklärte, sie habe in dem Fall Rechtshilfeersuchen an Deutschland, Frankreich und Schweden gestellt. In diesen 3 Ländern hatten Labors eine Vergiftung Nawalnys mit einem Gift der Nowitschok-Gruppe festgestellt. Russland hat bisher keine formelle Untersuchung des Falles eingeleitet. Russische Ärzte hatten erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden.

apa