Donnerstag, 03. Januar 2019

Neapel will „Sea Watch”-Migranten aufnehmen

Der Hafen der Stadt Neapel ist bereit, die Migranten an Bord des deutschen NGO-Schiff „Sea Watch” aufzunehmen, das seit zwölf Tagen im Mittelmeer mit 32 Migranten an Bord unterwegs ist. Das berichtete der Bürgermeister von Neapel, Luigi De Magistris, in einem Radiointerview am Donnerstag.

Der Bürgermeister werde die Rettungsaktion selbst organisieren Foto: APA (AFP/Archiv)
Der Bürgermeister werde die Rettungsaktion selbst organisieren Foto: APA (AFP/Archiv)

„Ich hoffe, dass das Sea Watch-Schiff sich dem Hafen Neapel nähert, weil wir bereit sind, es einfahren zu lassen. Ich werde selber die Rettungsaktion koordinieren“, sagte der Bürgermeister.

De Magistris verglich die populistische Regierung in Rom mit Menschenhändlern. „Schlepper bereichern sich mit Migranten. Die Regierungspolitiker bereichern sich, indem sie den Menschen zu verstehen geben, dass das Unglück in den westlichen Ländern Personen und Kindern zuzuschreiben ist, die im Mittelmeer sterben”, so De Magistris. Der Bürgermeister attackierte den italienischen Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini scharf. „Salvinis Sprache ist eines Innenministers unwürdig”, kommentierte De Magistris.

Die „Sea-Watch 3” der deutschen NGO Sea-Watch hatte am 22. Dezember 32 Flüchtlinge in internationalen Gewässern im Mittelmeer gerettet, darunter drei kleine Kinder, drei unbegleitete Jugendliche und vier Frauen. Italien, Malta und Spanien weigern sich bisher, das Schiff in einen Hafen einlaufen zu lassen. Ein Schiff der deutschen Flüchtlingshilfsorganisation Sea-Eye hatte am Samstag 17 weitere in Seenot geratene Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet.

Die EU-Kommission nahm indes Kontakte zu einigen EU-Mitgliedsstaaten auf, um eine Lösung für die Migranten zu finden, die von den Schiffen der deutschen NGOs Sea Watch und Sea Eye aufgenommen wurden. Die Kontakte seien unter anderem direkt von EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos aufgenommen worden, berichteten italienische Medien.

Die Situation der Migranten an Bord der beiden NGO-Schiffen bezeuge, dass mehr Solidarität unter EU-Mitgliedsstaaten in Sachen Migranten notwendig sei, berichtete ein Sprecher der EU-Kommission nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Avramopoulos forderte die EU-Mitglieder zur Unterstützung der Aufnahme der Migranten auf.

apa

stol