Seit 2018 stand der Brixner Hausarzt Dr. Adolf Engl ehrenamtlich an der Spitze des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen – nun ist der Gründervater aus Altersgründen abgetreten. Seine Nachfolge hat die Meraner Hausärztin Dr. Doris Hager-Prainsack übernommen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1239465_image" /></div> <BR /><BR />Die Allgemeinmedizin steht in Südtirol vor großen Herausforderungen: Viele junge Hausärzte kehren nicht nach Südtirol zurück, weil sie die Voraussetzungen im Ausland als viel besser erachten – und auch wegen der verpflichtenden Arbeit in den Gemeinschaftshäusern in Südtirol, die sie neben der Arbeit in der Praxis verrichten sollen, berichtet Engl.<BR /><BR />„Da gibt es viel Unsicherheit, weil niemand genau sagt, wie dies in Zukunft gehandhabt wird“, sagt Engl. „Alle Hausärzte, die ab 2025 eine neue Praxis eröffnet haben, sollen laut nationalem Vertrag verpflichtet werden, in den Gemeinschaftshäusern Dienst zu verrichten.“ <BR /><BR />Da viele junge Hausarztkollegen es vorziehen würden, im Ausland zu arbeiten, sei es schwierig, die Lücke, welche durch die Pensionierungen in Südtirol entstehe, auszufüllen, meint Engl. Interessanterweise würden viele Fachärzte die Ausbildung zum Allgemeinmediziner absolvieren, die bereits im Krankenhaus gearbeitet haben. <BR /><BR />Das Institut für Allgemeinmedizin betreibt sehr viel Forschung. Und da ist die Praxisforschung besonders wichtig, sagt Engl. Aber: Es gebe Schwierigkeiten, weil sich viele Hausarztkollegen sehr überfordert fühlen mit ihrer Arbeit – und häufig nicht bereit seien, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen und an Projekten mitzuarbeiten. „Das ist erschwerend“, meint Engl. „Das Klima unter den Kollegen in der Allgemeinmedizin hat sich verschlechtert. Sie fühlen sich sehr unter Druck durch die Patienten, die sehr viel fordernder sind als früher. Die Patientenzugänge haben sehr zugenommen. Für die Praxisforschung ist das ein Handicap.“ Forschung über die Versorgung von Patienten sei sehr aufwändig und arbeitsintensiv. „Es ist verständlich, wenn Kollegen am Anschlag sind, dann fehlt es ihnen an Zeit und Motivation. Es funktioniert immer noch, aber es ist schwieriger geworden“, weiß Engl. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1239468_image" /></div> <BR /><BR />Dr. Doris Hager-Prainsack betrachtet die Überbürokratisierung als größte Belastung im Berufsalltag der Allgemeinmediziner. Das sei nicht nur ein Stressfaktor für die Ärzte, sondern auch für die Patienten. Die Zeit für die Visiten werde dadurch knapper und fehle dann bei der Gesundheitsversorgung. Eine vermehrte Förderung der Praxismitarbeiter und eine Vereinfachung von bestimmten bürokratischen Tätigkeiten würde den Patienten und Hausärzten Zeit und Ärger ersparen, meint die neue Institutspräsidentin. Sie will sich besonders für junge Allgemeinmediziner einsetzen. Zur Nachwuchsförderung könnte das neue Medizinstudium in Bozen beitragen. Es sehe frühzeitig Seminare zur Allgemeinmedizin vor. Nun gebe es in Italien konkrete politische Bestrebungen, das derzeitige Ausbildungssystem zu reformieren und den Hausarzt-Titel offiziell als universitäre Facharzt-Ausbildung anzuerkennen. Das Institut für Allgemeinmedizin habe bereits ein Rohkonzept erarbeitet, das weiterentwickelt werden soll. In den meisten europäischen Ländern sei der Facharzttitel längst Standard.