Freitag, 29. April 2022

Neue Möglichkeiten, neue offene Fragen: Wie soll das Kind heißen?

Das Urteil ist historisch: Das Verfassungsgericht hat die Regel aufgehoben, derzufolge Kinder automatisch den Nachnamen des Vaters tragen mussten. Nun können Eltern frei wählen, wie ihr Kind heißen soll: nach dem Vater, nach der Mutter oder nach beiden.

Wer gibt seinen Nachnamen an das gemeinsame Kind weiter? Dass dies automatisch der Vater sein soll, ist in Italien nicht mehr zulässig: Mehrere Möglichkeiten sind für Eltern nun offen. - Foto: © shutterstock

Die Urteilsbegründung ist noch nicht veröffentlicht worden, die Erwartungen sind aber riesig: Kinder können die Nachnamen beider Elternteile oder, in gegenseitigem Einvernehmen, nur einen von ihnen, einschließlich des Nachnamens der Mutter, erhalten.

Nicht alle Fragen sind durch den Richterspruch beantwortet: Wahrscheinlich wird ein Gesetz des Parlaments erforderlich sein, um sie zu klären.


Viele Fragen sind offen: Wie soll die zweite Generation heißen? Ist es möglich, dass Kinder derselben Familie unterschiedliche Nachnamen haben? Wird das Gesetz auch rückwirkend gelten? Kann man den bereits zugewiesenen Nachnamen noch ändern? „Ich glaube, dass das Gesetz uns diese Antworten geben wird. Das Urteil des Gerichtshofs gibt zwar Anregungen, legt aber nicht fest, wie es konkret anzuwenden ist“, sagte die Rechtsanwältin Laura Cossar, Expertin für Familienrecht und eine frühe Verfechterin des mütterlichen Nachnamens der Nachrichtenagentur Ansa.

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Cossar macht keinen Hehl aus ihrer Begeisterung für die ihrer Meinung nach „revolutionäre“ Entscheidung, aber auch nicht aus den Problemen, die sich daraus ergeben werden.

Besonders hervorzuheben sei das Problem, wie mit der Namensgebung in der zweiten Generation umzugehen sei: Nach dem Vorbild der lateinamerikanischen Länder ist es nicht möglich, 4 Nachnamen zu tragen: „Man kann nur 2 behalten, einen vom mütterlichen und einen vom väterlichen Zweig.“

Diese Lösung wäre auch in Italien wünschenswert, meint sie, weil die Wahl von Nachnamen aus nur einem Zweig „diskriminierend“ wäre. Eine weitere Frage ist die der Rückwirkung: „Es ist bereits möglich, die Änderung von Nachnamen zu erwirken.“ Dies ist jedoch nicht unproblematisch: Wenn das Kind in seinem Umfeld bereits unter einem bestimmten Nachnamen bekannt ist, der zu seinem Markenzeichen geworden ist, seien Änderungen schwierig, so Experten.

stol

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