In Bahrain, wo vier getötete Demonstranten zu Grabe getragen wurden, protestierten erneut Tausende gegen die politische Führung des Golfstaates. Auf dem Lulu-Platz im Zentrum Manamas sollen Soldaten neue Proteste verhindern. In Libyen schickt Staatschef Muammar al-Gaddafi seine Söhne in die Zentren der Proteste nach Bengasi und Al-Baidha. Unruhen wurden auch aus den Golfstaaten Kuwait und Oman gemeldet, bei Zusammenstößen in der jordanischen Hauptstadt Amman wurden mindestens zehn Demonstranten verletzt.Allein in der libyschen Stadt Al-Baidha sollen seit Donnerstag nach unbestätigten Augenzeugenberichten mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter auch mehrere Soldaten. Die Armee-Brigade von Gaddafis Sohn Chamies habe damit begonnen, die Demonstranten dort zu vertreiben. Sie ist laut einer Depesche der US-Botschaft vom Dezember 2009 die am besten ausgebildete und ausgerüstete Einheit der libyschen Streitkräfte. Die Zahl der Toten in der zweitgrößten Stadt Bengasi, wo Gaddafi-Sohnn Al-Saadi aktiv werden soll, wurde mit 10 bis 14 angegeben.Auf Amateurvideos, die von libyschen Demonstranten ins Netz gestellt wurden, waren mehrere Leichen junger Männer zu sehen. Andere Aufnahmen zeigten Hunderte Demonstranten, die in der Mittelmeerstadt Tobruk ein Denkmal für das von Gaddafi verfasste „Grüne Buch“ niederrissen, in dem der Revolutionsführer einst sein politisches Programm formuliert hatte.Oberst Gaddafi ließ sich in der Nacht zum Freitag von Anhängern in Tripolis feiern. Auf dem zentralen Grünen Platz nahm er gegen 15 Uhr ein Bad in der Menge. In mehreren libyschen Städten waren Gaddafi-Gegner am Donnerstag einem Aufruf zu einem „Tag des Zorns“ gefolgt. Sie zerstörten die in Libyen allgegenwärtigen Bilder des seit 1969 amtierenden Staatschefs.In Bahrain waren bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten laut Augenzeugen und Oppositionellen fünf Menschen ums Leben gekommen, mehr als 220 wurden verletzt. US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich „tief besorgt“. Die USA verurteilten Gewalt gegen Demonstranten und unterstützten demokratische Reformen, sagte sie in Washington. Sie habe mit ihrem Amtskollegen, Chalid al-Chalifa, telefoniert und die Vorgänge kritisiert. Bahrain ist strategisch wichtig für die USA: Das kleine Königreich ist ein enger Verbündeter Amerikas in der Golfregion und Hauptquartier der 5. US-Flotte.Die anderen Golfmonarchien stärkten König Hamad bin Issa al-Chalifa bei einem Außenministertreffen in Manama den Rücken. Sie erklärten, die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) seien bereit, Mitgliedstaaten zu unterstützen, wenn deren „Sicherheit und Stabilität“ gefährdet sei. Zum GCC gehören Bahrain, Saudi-Arabien, Kuwait, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Beobachter fragen sich, ob das benachbarte Saudi-Arabien Truppen nach Bahrain schicken würde.dpa