In Saratow knapp 800 Kilometer von der Ukraine entfernt wurde nach Angaben von Gouverneur Roman Bussargin ein Mann getötet. Er bestätigte ansonsten nur Schäden an der zivilen Infrastruktur. Nischnekamsk liegt etwa 1.200 Kilometer von ukrainischem Gebiet entfernt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, bis in der Früh seien über russischem Gebiet 415 feindliche Drohnen abgefangen worden. Solche Zahlen sind nicht unabhängig überprüfbar, sie deuten aber auf einen großen Angriff hin. Ein Brand wurde auch von einem Militärflugplatz im Gebiet Woronesch südlich von Moskau gemeldet.<BR /><BR />Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Attacken auf die beiden Raffinerien. Seinen Angaben nach hat das ihm unterstellte Militär zudem auch Ziele in den Regionen Woronesch und Baschkortostan angegriffen. Das genaue Ziel dieser Attacken nannte er dabei nicht.<BR /><BR />Der Gouverneur der westrussischen Region Rostow, Juri Sljussar, bestätigte in der Früh zumindest Schäden an zwei Schiffen. Diese seien leer gewesen, somit auch kein Öl ins Meer ausgelaufen, schrieb er bei Telegram. Seinen Angaben nach wurden zwei Seeleute bei der Attacke verletzt. Rettungskräfte hätten die Besatzung eines Tankers von Bord gebracht, fügte er hinzu.<BR /><BR />Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Ihre Gegenangriffe auf die russische Ölindustrie haben bereits eine Treibstoffkrise in vielen Regionen verursacht. Mit den Angriffen auf Öltanker soll die Versorgung der vor zwölf Jahren besetzten ukrainischen Halbinsel Krim gestört werden. Auch dort gibt es eine massive Treibstoffkrise, weil die Krim über den nach der Invasion im Jahr 2022 eingerichteten Landkorridor über ukrainisches Gebiet nicht mehr zuverlässig versorgt werden kann.<BR /><BR />Der Kreml forderte die Türkei und andere Staaten auf, ihren Einfluss zu nutzen, um die Ukraine von Angriffen auf Energieinfrastruktur abzubringen. Russland wirft der Ukraine vor, die Gazprom-Pumpstation Krasnodarskaja angegriffen zu haben. Über die Anlage wird Erdgas durch die Blue-Stream-Pipeline in die Türkei exportiert. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnet den Angriff vor Journalisten als „sehr gefährlich“. Russland ergreife Maßnahmen, um die Gefahr derartiger Angriffe zu minimieren. In der Türkei findet derzeit ein Nato-Gipfel statt.<BR /><BR />Indes dauerten auch die Kämpfe an der Front im Südosten der Ukraine in unverminderter Heftigkeit an. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte sprach am Dienstag in seinem abendlichen Lagebericht von insgesamt 219 bewaffneten Zusammenstößen an verschiedenen Frontabschnitten. Schwerpunkt der Kämpfe lag bei Pokrowsk im Industrierevier Donbass, wo die russischen Streitkräfte nach Darstellung der Generalität in Kiew über 40 Angriffe gegen ukrainische Stellungen führten.<BR /><BR />Russland setzte unterdessen auch seine Angriffe gegen zivile Ziele in der Ukraine fort. Kurz nach Mitternacht Ortszeit wurde die Hauptstadt Kiew von ballistischen Raketen getroffen. Im Zentrum der Dreimillionenstadt war Brandgeruch spürbar, wie ein Reporter berichtete. Bürgermeister Vitali Klitschko informierte bei Telegram über mehrere Brände in zwei Stadtteilen. Der Luftalarm wurde erst mit Verzögerung nach den ersten Explosionen ausgelöst.<BR /><BR />Bei einem Raketenangriff auf die südukrainische Hafenstadt Odessa wurden nach Angaben des regionalen Militärverwalters Oleh Kiper sechs Menschen verletzt. Explosionen nach russischen Angriffen wurden auch aus der ostukrainischen Großstadt Charkiw ohne weitere Details gemeldet.<BR /><BR />Russland führt seit über vier Jahren einen Offensivkrieg gegen die Ukraine. Bisher haben die russischen Streitkräfte knapp ein Fünftel des Territoriums des Nachbarlandes besetzt. Seit Monaten gibt es an den Fronten kaum Bewegung, Russland hat mit hohen Verlusten an Personal nur geringe Erfolge vorzuweisen. Zuletzt haben die russischen Streitkräfte ihre Angriffe gegen zivile Ziele in ukrainischen Städten verstärkt.