Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine verschieben sich geostrategische Linien. Die NATO könnte schon sehr bald neue Mitglieder aufnehmen – was Putin nicht gefallen wird.<BR /><BR /><BR />Bei den Finnen lösten seine von ideologisch missbrauchter Geschichte nur so triefenden Artikel und Ansprachen unverzüglich große Alarmbereitschaft aus. Kein Wunder: 1939 hatte die UdSSR Finnland im „Winterkrieg“ brutal überfallen und die mit den Finnen stammverwandten Karelier vertrieben. <BR /><BR />Die internationale Gemeinschaft und insbesondere die direkten Nachbarn standen auf der Seite Helsinkis, weigerten sich aber, militärisch einzugreifen. Dänemark und Norwegen gaben humanitäre Unterstützung, Schweden stellte immerhin einiges an Ausrüstung zur Verfügung und gab Kredite. Während des Zweiten Weltkrieges eroberte die finnische Armee die von Russland besetzten Gebiete zwar zurück und ermöglichte einem großen Teil der Vertriebenen die Rückkehr in die Heimat, die diese jedoch nach dem zweiten sowjetischen Sieg 1944 erneut verlassen mussten. <BR /><BR />Die nunmehr von Moskau erzwungene finnische Neutralität war nicht nur eine militärische, sondern eine politische, die weit über jene Österreichs hinausging. Deshalb warnten Persönlichkeiten wie Franz Josef Strauß in den 70er Jahren immer wieder vor einer „Finnlandisierung Europas“ durch den damaligen sowjetischen Diktator Leonid Breschnew. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 hatten die Finnen die Chance, zumindest Mitglied der Europäischen Union zu werden.<BR /><BR /> Dies wäre den benachbarten Schweden schon viel früher möglich gewesen. Sie hatten, nach Jahrhunderten militanter Eroberungszüge in Mitteleuropa, keinen größeren Krieg mehr erlebt und definierten ihre selbstgewählte Neutralität nicht weltanschaulich, sondern ausschließlich im Sinne von Bündnisfreiheit. Dennoch kam auch für sie ein EU-Beitritt erst nach Ende der UdSSR in Frage. <BR /><BR />Umso eindrucksvoller, dass jetzt dort wie in Finnland ganz offen über eine Zugehörigkeit zur NATO diskutiert wird. Putin hat auch hier die Verhältnisse vollständig verändert. <BR />