Samstag, 27. Juni 2020

NGO beklagt Rückführung von 70 Migranten nach Libyen

Die italienische NGO „Mediterranea Saving Humans“, die mit dem Rettungsschiff „Mare Jonio“ im zentralen Mittelmeer im Einsatz ist, beklagt, dass die libysche Küstenwache in der Nacht auf Samstag 70 Migranten an Bord eines Schlauchbootes vor der Küste der Stadt Misurata aufgegriffen hat. Die Migranten wurden nach Libyen zurückgeführt.

Die Migranten durften nicht an Bord der „Mare Jonio“.
Die Migranten durften nicht an Bord der „Mare Jonio“. - Foto: © ANSA / Elio Desiderio
Die Crew der „Mare Jonio“, die sich wenige Seemeilen von den Migranten entfernt befand, erklärte sich bereit, die Menschen an Bord zu nehmen. „Die Libyer haben jedoch abgelehnt“, kritisierte die Menschenrechtsorganisation per Twitter.

Die libysche Küstenwache habe sich zudem geweigert, Informationen über 8 Leichen zu liefern, die sich angeblich an Bord des Schlauchbootes befanden, wie einige Migranten der Hilfsorganisation „Alarm Phone“ gemeldet hatten. Eine Frau hätte an Bord des Bootes ein Kind zur Welt gebracht.

„Niemand sollte nach Libyen zurückgeführt werden. Migranten sind Menschen“, protestierte Carlotta Sami, Sprecherin des UNO-Flüchtlingswerks UNHCR.

Alle Mitglieder der Crew des deutschen Rettungsschiffes „Sea Watch-3“, die in den letzten Tagen Abstrichen unterzogen wurden, wurden indes negativ auf das Coronavirus getestet. Den Kontrollen hatte sich die Crew unterzogen, nachdem 28 der von der NGO Sea Watch am vergangenen Wochenende geretteten Flüchtlinge positiv auf das Covid-19 getestet wurden. Die positiv getesteten Migranten befinden sich derzeit auf dem Quarantäneschiff „Moby Zaza“ vor dem Hafen der sizilianischen Stadt Porto Empedocle.

apa

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