Freitag, 10. Januar 2020

Niederlande: Abschuss von Flugzeug durch Iran wahrscheinlich

Die Niederlande halten es für plausibel, dass der Iran für den Absturz der bei Teheran abgestürzten ukrainischen Passagiermaschine verantwortlich ist. „Es ist tatsächlich sehr wahrscheinlich, dass das Flugzeug von iranischen Raketen abgeschossen wurde“, sagte der niederländische Außenminister Stef Blok am Freitag in Brüssel.

176 Menschen kamen ums Leben.
176 Menschen kamen ums Leben. - Foto: © APA/afp / SERGEI SUPINSKY

Nun sei wichtig, dass eine unabhängige Untersuchung zeige, was genau passiert sei. Zugleich rief Blok den Iran und die USA zur Zurückhaltung auf. Es sei wichtig, dass beide Seiten zur Deeskalation beitrügen. Vor allem der Iran sei für seine negative Rolle in der Region zu kritisieren.

Ein Flugzeug der Ukraine International Airlines mit 176 Menschen an Bord war am Mittwoch kurz nach dem Start in Teheran abgestürzt. Niemand überlebte.

Die Regierungen in Kanada und Großbritannien haben eigenen Angaben zufolge Informationen, nach denen ein versehentlicher Raketenbeschuss durch den Iran die Ursache für den Absturz ist.




Auch eine Doktorandin aus Mainz und eine Asylbewerberin aus Nordrhein-Westfalen mit ihren beiden Kindern sind bei dem Absturz umgekommen. Das Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI) in Mainz schrieb am Freitag im Internet, man trauere um eine 29 Jahre alte Kollegin, die „bei einem tragischen Zwischenfall in der Nähe ihrer Heimatstadt Teheran verstorben ist“. Das MPI bestätigte, dass es sich dabei um den Absturz handelte.

Nach Angaben des Forschungsinstitutes studierte die 29-Jährige Chemie und arbeitete am Institut in einer der experimentellen Gruppen. Sie war für ihren Weihnachtsurlaub bei ihrer Familie im Iran. Zuvor hatten die „Bild“-Zeitung und die Mainzer „Allgemeine Zeitung“ über das Thema berichtet.

Bei den weiteren Opfern, die in Deutschland gelebt hatten, handelt es sich um eine 30 Jahre alte als Flüchtling anerkannte Afghanin und ihre Tochter (8) sowie ihren Sohn (5). Sie hatten seit mehreren Jahren in Werl bei Soest gelebt, wie der Bürgermeister der Stadt, Michael Grossmann (CDU), der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er berief sich auf den in Werl lebenden Bruder der Frau. Zuvor hatte der „Soester Anzeiger“ (Online) darüber berichtet.

Die Lage im Nahen Osten ist höchst angespannt. Die USA hatten vergangene Woche den iranischen General Ghassem Soleimani gezielt getötet, der Iran reagierte mit Vergeltung. Kurz nach dem Racheakt stürzte das Flugzeug bei Teheran ab.



dpa