Mittwoch, 26. Juni 2019

Nordkorea und USA sprechen über Gipfel

Die USA und Nordkorea reden nach Angaben des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in hinter den Kulissen über ein weiteres bilaterales Gipfeltreffen. Es gebe seit dem zweiten Gipfel von US-Präsident Donald Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un im Februar in Vietnam keinen zwar offiziellen Dialog, doch die Bereitschaft der beiden dazu sei niemals verschwunden, sagte Moon in einem Interview.

Moon Jae-in (l.) versucht, zwischen Nordkorea und USA zu vermitteln Foto: APA (AFP/KCNA VIA KNS)
Moon Jae-in (l.) versucht, zwischen Nordkorea und USA zu vermitteln Foto: APA (AFP/KCNA VIA KNS)

Moon zeigte sich in dem Interview mit der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap überzeugt, dass die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm gegeben seien. Trotz des gescheiterten Gipfels von Hanoi sagte Moon: „Ich glaube an Kims Entschlossenheit zur Denuklearisierung.” Mit Denuklearisierung ist die atomare Abrüstung Nordkoreas gemeint. „Beide Seiten befinden sich mit Blick auf einen dritten Gipfel in einem Dialog”, wurde Moon zitiert, der am Sonntag mit Trump in Seoul über das weitere Vorgehen im Atomstreit mit Nordkorea beraten will.

Südkoreas Präsident, der im vergangenen Jahr die Rolle des Vermittlers zwischen Washington und der kommunistischen Regierung in Pjöngjang gespielt hatte, sagte nichts darüber, ob Regierungsvertreter der beiden Länder sich bereits gegenüber gesessen hätten, um einen weiteren Gipfel zu besprechen. Er rief vielmehr Nordkorea auf, auf einen Vorschlag der USA für Verhandlungen auf Arbeitsebene einzugehen. „Nordkorea sollte sobald wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren, um die internationale Gemeinschaft von seinem Willen zur vollständigen atomaren Abrüstung zu überzeugen.”

Keine Einigkeit bei Beseitigung des Atomwaffenarsenals

Trump und Kim hatten sich in Hanoi in der zentralen Frage der Beseitigung des nordkoreanischen Atomwaffenarsenals nicht einigen können. Kim forderte vergeblich die Aufhebung eines Großteils der internationalen Sanktionen. Im April hatte er als Bedingung für neue Atomgespräche gefordert, die USA sollten bis Ende dieses Jahres einen annehmbaren Lösungsvorschlag vorlegen.

Moon nannte als Grund für seinen optimistischen Ausblick in Bezug auf den Dialog der USA mit Nordkorea unter anderem die gegenseitigen Vertrauensbekundungen zwischen Trump und Kim. Beide hätten sich unter anderem Briefe geschrieben. Der zweite Gipfel habe die Grundlage für die nächste Phase der Verhandlungen geschaffen, sagte Moon. Auf die Forderung Pjöngjangs nach einer Sicherheitsgarantie sagte er: „Ich denke, ein Sicherheitsumfeld zu schaffen, in dem der Vorsitzende Kim entschieden bei der atomaren Abrüstung handeln kann, wäre der schnellste Weg, die Denuklearisierung diplomatisch zu erreichen.” Auch die innerkoreanische Zusammenarbeit würde den Abrüstungsprozess wesentlich fördern.

Positive Entwicklung

Zudem sieht Moon Nordkoreas Diplomatie gegenüber China und Russland als positive Entwicklung im Atomstreit. Diese beiden Länder hätten bisher eine konstruktive Rolle gespielt, um die Probleme auf der koreanischen Halbinsel zu lösen, sagte Moon.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte in der vergangenen Woche als erster Präsident seines Landes seit 14 Jahren Pjöngjang besucht. Dabei demonstrierten Xi und Kim auch die Nähe ihrer Länder als traditionelle Verbündete. Im April war Kim zu seinem ersten Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Wladiwostok gereist.

apa/ag.

stol