Donnerstag, 24. September 2015

Öffentliche Empfänge: So macht man es richtig

Die richtige Begrüßung, die Rangordnung der Gäste, die richtige Aufstellung der Fahnen. Bei einem öffentlichen Empfang steht so manches Fettnäpfchen bereit. Auf einer Fachtagung zum Zeremoniell haben erfahrene Protokollchefs aus Italien, Österreich und Südtirol Faustregeln erklärt.

Landeshauptmann Arno Kompatscher trifft immer wieder hohe politische (hier mit Ministerpräsident Matteo Renzi) und andere Persönlichkeiten. Dabei muss ein Zeremoniell eingehalten werden. Nur: Wie geht das?
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Landeshauptmann Arno Kompatscher trifft immer wieder hohe politische (hier mit Ministerpräsident Matteo Renzi) und andere Persönlichkeiten. Dabei muss ein Zeremoniell eingehalten werden. Nur: Wie geht das?

Das Treffen sei wohl entstanden, da es zahlreiche Anfragen verschiedener Körperschaften und Verbände zum Thema Protokoll/Zeremoniell gegeben hatte. „Dies lässt darauf schließen, dass es immer wieder große Unsicherheiten gibt, wenn es darum geht, bei besonderen Anlässen eine Rangordnung für die Redner bzw. eine Sitzplatzordnung bei Konferenzen oder auch Festessen zu erstellen", stellte Landtagspräsident Thomas Widmann fest.

Zu der Tagung am Donnerstag sind viele Teilnehmer gekommen, unter anderem aus den Nachbarregionen sowie aus Aosta und dem Veneto.

Massimo Sgrelli, Dozent und Berater für Protokollangelegenheiten und institutionelle Beziehungen, bezeichnete diese Tagung als besonders wichtig in einer Zeit, in der die Regeln des Protokolls zunehmend in den Hintergrund gerieten.

Teilweise werde, wie durch die EU, von der Verwendung gewisser Höflichkeitsformen direkt abgeraten. Auch Amtsträger würden bewusst darauf verzichten, um volksnäher zu erscheinen.

Umso wichtiger sei es, so Sgrelli, an diesen Regeln festzuhalten, sowohl um diplomatische Verstimmungen zu vermeiden und um an der Höflichkeit zwischen Menschen und Institutionen festzuhalten.

Das richtige Maß zwischen unterschiedlichen Kulturen

Es sei das richtige Maß an Zeremoniell zu finden. Ebenso müsse man auf die Gepflogenheiten in den drei protokollarischen Makroregionen – Westen, Osten und islamische Welt – eingehen.

Die Regeln des Gastlandes hätten Vorrang, andererseits dürfe man einem Gast nicht etwas aufzwingen, was ihm durch seine Regeln verboten sei: Einem muslimischen Gast biete man keinen Speck an.

Zu einem diplomatischen Zwischenfall sei es gekommen, als der iranische Präsident Katami verlangte, dass beim Staatsempfang in Frankreich keine Weinflaschen auf den Tischen stehen dürften - die Franzosen sagten den Empfang ab. Das Problem habe sich auch bei einem Empfang durch Ministerpräsident Prodi gestellt, wo er, Sgrelli, den Wein von der Karte gestrichen habe - Fisch mit Orangensaft sei furchtbar, aber die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran, zumal mit dem sekuläreren Katami, hätten Vorrang.

Es sei auch zu beachten, dass Muslime in der Öffentlichkeit nicht einer Frau die Hand schütteln dürfen. Sgrelli riet dazu, zu warten, bis der Gast die Hand biete. Im westlichen Protokoll gebe es zwischen Mann und Frau keinen Unterschied. 

Ehrenplatz für den Gast – Reihenfolge der Gäste

Eine alte und weltweit gültige Regel sei die der rechten Seite. Der Platz zur Rechten - von den Betroffenen, nicht vom Betrachter aus gesehen - sei der Ehrenplatz und stehe dem Gast zu. Die rechte Seite stehe Gleich- oder Höherrangigen zu. Die Reihenfolge der Gäste erfolge nicht nach Bewertung ihrer Wichtigkeit (z.B. USA vor Schweiz), sondern nach neutralen Regeln, z.B. Dienstalter, Alphabet und Ähnliches.

Bei Hoheitssymbolen wie Fahnen gelte ebenfalls der Vorrang für Rechts, ebenso bei Gruppenfotos von Staats- oder Regierungschefs. In Deutschland stehe der deutschen Flagge per Gesetz der Platz in der Mitte zu, in Italien hänge dort die Fahne von gemeinsamer Bedeutung, z.B. die EU-Flagge.

Beim Empfang von Personen ohne öffentliches Amt, etwa aus der Wirtschaft, müsse man ebenfalls ein objektives Kriterium finden: Wenn der Präsident etwa die Chefredakteure von "Dolomiten" und "Tageszeitung" einlade, dann sei etwa die Auflage ein Kriterium. 

Fahne nur für den Staatspräsidenten

Bei Hoheitssymbolen sei besonders aufzupassen, da deren Missachtung auch strafbar sei. Die staatlichen Symbole sind: Die Fahne, die Hymne und das Staatsoberhaupt. Nur der Staatspräsident habe ein Recht auf die Fahne, wenn er irgendwo empfangen werde, denn nur er vertrete das ganze Land. An öffentlichen Gebäuden dürfte an dem für die Fahnen vorgesehenen Platz nur offizielle Fahnen ausgehängt werden, keine Friedens-, Partei- oder sonstige Fahne. 

stol

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