Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider erteilt Forderung nach einem kostenlosem Öffentlichen Nahverkehr für alle eine Abfuhr: „Die ersten, die umsteigen, sind Radfahrer und Fußgänger. Das ist kontraproduktiv“, sagt er. <BR /><BR /><b>Was halten Sie von Gratis-Öffis oder zumindest einer weiteren massiven Senkung der Tarife?</b><BR /><BR />Daniel Alfreider: Keine andere Region hat ein so kapillares und landesweit ausgebautes Angebot für die Menschen in der Stadt und im ländlichen Raum wie Südtirol. Und dabei haben wir bereits die günstigsten Tarife überhaupt im Alpenraum. Das Jahresabo kostet je nach Alter zwischen 20 und maximal 250 Euro. Wenn jemand das Jahresabo nicht möchte, gibt es noch den Kilometertarif über den Südtirolpass Flex. In den Nachbarländern kosten diese Abos das Doppelte bis Vierfache.<BR /><BR /><BR /><b>Der Ruf nach Gratis-Öffis wird lauter und bleibt ungehört. Was spricht denn dagegen?</b><BR /><BR />Alfreider: Jeder öffentliche Dienst wird großteils von der Allgemeinheit, sprich von allen Steuerzahlern, finanziert. Doch gibt es ein Prinzip: Derjenige, der den Dienst effektiv nutzt, soll einen Selbstanteil zahlen. Das ist „normal“ in einer Gesellschaft. Das ist auch ein Prinzip der EU, aber ich würde sagen, das ist „gesunder Hausverstand“. Aber es sprechen auch noch andere Gründe gegen Gratis-Öffis. Erfahrungen andernorts zeigen, die ersten, die dann auf die Öffis umsteigen, sind Fahrradfahrer und Fußgänger. Und das ist kontraproduktiv. Auch zeigt sich, dass Öffis dann vielfach als Aufenthaltsort zweckentfremdet werden. Das wollen wir nicht. Eine Kontrolle beim Einsteigen und eine gewisse Ordnung sind für uns sehr wichtig, sie sind wichtig für die Sicherheit aller Fahrgäste.<BR /><BR /><BR /><b>In Luxemburg, Malta und Städten wie Tallinn, Calais und Erlangen scheint es aber zu funktionieren …</b><BR /><BR />Alfreider: Die Rückmeldungen, die wir bekommen, sagen genau das Gegenteil. Slowenien hat uns explizit abgeraten. Außerdem gibt es „gratis“ nicht! Der Dienst kostet etwas, und ich finde es richtig, dass der, der ihn nutzt, auch einen kleinen Beitrag zahlt. <BR />Wenn man die Öffis gratis macht, müssen 50 Millionen Euro Steuergelder aus dem Haushalt gezahlt, das heißt anderswo gekürzt werden. In zehn Jahren wären das dann 500 Millionen Euro. <BR /><BR /><BR /><b>Würden Gratis-Öffis denn nicht Kosten bei der Verwaltung einsparen?</b><BR /><BR />Alfreider: Ganz im Gegenteil, es würde der öffentlichen Hand – und somit den Steuerzahlern – mehr kosten. Die gesamte Verwaltung des Ticketings kostet zwischen drei und vier Millionen Euro pro Jahr, die Einnahmen lagen letztens bei 55 Millionen. Also würden rund 50 fehlen ...<BR /><BR /><BR /><b>Ist ein weiterer Ausbau des Öffi-Netzes geplant?</b><BR /><BR />Alfreider: Bald startet wieder ein Fahrplanverfahren, und wir machen Jahr für Jahr kleine Anpassungen und Verbesserungen. Allerdings bewegen wir uns am Limit des Machbaren, da wir bereits sehr kapillar im ganzen Land – und in den meisten Fällen im Halbstundentakt unterwegs sind. Schon jetzt werden Fahrermangel und Treibstoffpreise die großen Herausforderungen der Zukunft sein.