<b>von Andreas Schwarz</b><BR /><BR />Sie galt schon vor den Wahlen Ende September als die wahrscheinlichste Regierungsvariante: Eine Koalition aus der Kanzlerpartei ÖVP, der früheren Kanzlerpartei SPÖ und der neoliberalen NEOS. Denn da keine politische Kraft in Österreich mit der FPÖ eine Regierung eingehen würde wollen, blieben nicht viele andere Varianten – eigentlich. <BR /><BR />Dann siegten die Freiheitlichen – und die Ablehnung einer Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten blieb. Also wieder: ÖVP/SPÖ/NEOS.<BR /><BR />Interessanterweise dauerte es dennoch 6 Wochen, nämlich bis Montag, bis sich die Spitzen der 3 Parteien, Karl Nehammer, Andreas Babler und Beate Meinl-Reisinger, zum ersten Sechs-Augen-Gespräch trafen. Und auch dieses Treffen war noch nicht der Beginn von Regierungsverhandlungen, sondern ein erstes Sondieren. Also ein Abstecken, wo es Kompromissmöglichkeiten zwischen den 3 doch sehr unterschiedlichen Parteien gibt und wo nicht.<BR /><BR />Kein Geheimnis ist, dass die Volkspartei eher Überschneidungsflächen mit den NEOS hat – allerdings ist man in der ÖVP sauer, dass die neoliberale Kleinpartei (9,1 Prozent) in den vergangenen Tagen mehrfach den Anspruch auf das Finanzministerium angemeldet hat. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, über potenzielle Regierungsämter zu diskutieren“, sondern über Inhalte, richtete der ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker den Pinken aus.<BR /><BR />Kein Geheimnis ist auch, dass die SPÖ eher Überschneidungsflächen mit den linken Grünen hätte – das wäre die zweite Option für eine Dreierkoalition – , vor allem im Bereich Umwelt und Budget. Auch bei den Roten ist man über den Finanzministeriumsanspruch verschnupft. Aber eine Ehe mit den Grünen ist für die ÖVP keine Option: Zu sehr wirkt die Verbitterung über grüne Alleingänge vor allem der Umweltministerin in 5 Jahren Regierungszeit von ÖVP und Grünen nach.<BR /><BR />Genau genommen bräuchten die Wahlverlierer ÖVP (minus 11,2 Prozent) und SPÖ (minus 0,04 Prozent und das schlechteste Ergebnis der Geschichte) gar keinen Dritten: Sie hätten zusammen ein Mandat Überhang – aber das ist für eine stabile Mehrheit denkbar wenig.<h3>Kann das überhaupt funktionieren?</h3>Der Option Dreier-Koalition weht aber gerade in den letzten Tagen heftiger Wind entgegen: Das Platzen der Ampelkoalition in Deutschland wird medial als schlechtes Zeichen ausgeschlachtet – kann eine Dreier-Koalition, die es in Österreich noch nie gegeben hat, überhaupt funktionieren? Können so unterschiedliche Parteien überhaupt miteinander die drängenden Probleme – vor allem Budget – bewältigen?<BR /><BR />Die Frage wird tatsächlich nicht nur sein, wie ÖVP und SPÖ mit einem Dritten können. Sondern wie ÖVP und SPÖ miteinander können – auch wenn die beiden ehemaligen Großparteien Jahrzehnte großkoalitionärer Erfahrung haben, inhaltlich waren sie noch selten so weit auseinander wie jetzt, auch dank des alt-marxistischen Parteichefs der SPÖ, Babler.<BR /><BR />Die Stimmen in der ÖVP, die eine Ehe mit der FPÖ wegen viel größerer Überschneidungen bei den Themen präferieren, sind nicht verstummt. Das sitzt ÖVP-Chef Nehammer bei den Koalitionssondierungen auch im Nacke.