Mittwoch, 17. März 2021

Österreich prescht beim „Grünen Pass“ vor

Noch bevor es eine rechtliche Grundlage auf EU-Ebene gibt, prescht Österreich beim „Grünen Pass“ für Corona-Geimpfte, Getestete oder Genesene vor. Man werde in den nächsten Tagen die rechtlichen Grundlagen für erste Schritte setzen, zunächst nur für den Testnachweis, hieß es nach dem Ministerrat. Auf Basis dessen soll die operative Umsetzung bereits im April beginnen.

Elektronische Testergebnisse sind in Österreich als erster Schritt geplant.
Elektronische Testergebnisse sind in Österreich als erster Schritt geplant. - Foto: © EXPA/JOHANN GRODER
Auf EU-Ebene liegt derzeit nur ein Gesetzesvorschlag vor. Am heutigen Mittwoch hat die EU-Kommission den digitalen „Grünen Pass“ vorgestellt. Dieser soll ab 1. Juni nutzbar sein. „Wir wollen nicht auf die Umsetzung auf europäischer Ebene warten“, begründete Bundeskanzler Sebastian Kurz im Pressefoyer den Vorstoß, den er als „ersten Schritt“ und als „Vorarbeit für die europäische Gesamtumsetzung“ bezeichnete.

Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober will bereits im Gesundheitsausschuss des Nationalrats am Donnerstag einen Vorschlag präsentieren. Es gehe um Rechtsfragen und die technische Umsetzung. Für letztere sei bereits am 12. März der Projektauftrag an die ELGA-Gesmbh ergangen.

Immunitätsnachweis spätestens im Juni

Vorgegangen wird in 2 Etappen, so der Gesundheitsminister: Die erste Etappe ist die Verankerung der Testungen, damit man nicht mehr ein haptisches Papier braucht und Zutrittsmöglichkeiten elektronisch (per QR-Code) ermöglichen kann. Mitte April soll dies abgeschlossen und flächendeckend einsatzfähig sein. Zweiter Teil ist dann der Immunitätsnachweis für Genesene und Geimpfte, der - wie auf EU-Ebene geplant - auf breiter Basis spätestens im Juni kommen soll.

Laut einem Pressepapier von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger soll der grüne Pass im Vollausbau folgende Informationen enthalten können: ein Impfzertifikat, Testzertifikate (PCR- oder Antigenschnelltest) und ein Genesungszertifikat (frühestens auszustellen ab dem 20. Tag nach erstem positiven PCR-Testergebnis). Er soll kostenlos von den EU-Staaten an alle EU-Bürger, deren Familienangehörige und an in EU-Staaten ansässige Drittstaatsangehörige ausgestellt werden. Die Gültigkeit ist für die Dauer der Pandemie vorgesehen.



Zertifikate sollen digital und/oder in Papierform zur Verfügung stehen und etwa einen EU-weit lesbaren Barcode enthalten. Es soll hoher Datenschutz gelten, der Pass nur die wichtigsten und covid-relevanten personenbezogenen Daten enthalten (zum Beispiel Identifizierung der Person, verwendeter Impfstoff, Chargenzahl, Datum und Ort der Impfung/Testung). Laut Köstinger soll es keine zentralisierte Datenbank auf EU-Ebene geben. Daten würden aus nationalen Datenbanken gelesen und sonst nirgends gespeichert, wurde betont.

„Reisefreiheit für gesamten europäischen Tourismus entscheidend“

Köstinger sprach von einem erfolgreichen österreichischen Vorstoß. „Die Wiederherstellung der Reisefreiheit ist nicht nur für das Urlaubsland Österreich entscheidend, sondern für den gesamten europäischen Tourismus“, erklärte sie.

Der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg zeigte sich bezüglich baldiger Reisefreiheit allerdings noch zurückhaltend. „Noch muss jedem klar sein, dass Mobilität noch mit Risiko, und zwar mit erklecklichem Risiko verbunden ist“, sagte er nach der Regierungssitzung und sprach sich auch gegen regionale „Fleckerlteppiche“ bei entsprechenden Öffnungsmaßnahmen aus.

Bezüglich des Passes nannte er auf Nachfrage eine weitere Einschränkung: Der europäische Verordnungsentwurf ziele auf den Binnenmarkt ab. „Erstes Ziel muss es einmal sein, die innereuropäische Mobilität wieder herzustellen.“ Was dies etwa für die Migrantencommunity bei Türkeireisen im Sommer bedeutet, konnte der Außenminister noch nicht sagen. Man werde sich den Umgang mit Staaten außerhalb der Union „bald“ ansehen, sagte Schallenberg nur.

apa/stol