<b>von David Hofer</b><BR /><BR />Skandale, U-Ausschüsse und Regierungskrisen: Auf Österreichs politischer Bühne spielte es in den vergangenen Jahren so manches Stück. Einen fixen Logenplatz dabei hatte Klaus Webhofer. Der gebürtige Meraner steht in Diensten des ORF in der pulsierenden Hauptstadt Wien. Es war der „klassische Weg“, der ihn beruflich von der beschaulichen Passerstadt in die Metropole an der Donau gebracht hat, wie es Webhofer selbst erklärt: „Das Studium hat mich nach Wien verschlagen. Angefangen habe ich mit Publizistik, abgeschlossen dann in Wahrheit mit Geschichte.“ <BR /><BR />So ganz nebenbei hat er dann seine Liebe zum Journalismus entdeckt. „Im zweiten Teil des Studiums habe ich angefangen, im ORF zu arbeiten. Ich habe ei<?TrVer> ne Art ‚Assessment Center‘ <I>(Anm.: eine Methode zur Personalauswahl)</I> absolviert und bin dann bei Radio Österreich International gelandet. Eine sehr gute Schule für Journalismus“, so Webhofer. Schließlich ging es die Karriereleiter immer weiter nach oben. Vielen ist Webhofer nach wie vor als Moderator der beliebten Radio-Journale von Ö1 und der Diskussionssendung „Klartext“ bekannt. Wenngleich er mittlerweile seine Stimme hinter den Kulissen erhebt. <BR /><BR />Seit Februar diesen Jahres nämlich ist der Südtiroler ganz offiziell Leiter der Innenpolitik-Redaktion im neuen multimedialen Newsroom des ORF. Was sich hinter diesem etwas sperrig anmutenden Begriff verbirgt, ist nichts weniger als die Zukunft des staatlichen Rundfunks. „Radio, TV und Social Media greifen hier ineinander. Wir sind derzeit dabei, die neuen Strukturen zusammenzuführen, ein Team zu schmieden und neue Formate zu <?Uni SchriftWeite="97ru"> entwickeln“, fasst es der gebürtige<?_Uni> Meraner zusammen. Ein spannendes Projekt allemal, Webhofer sprüht vor Tatendrang. <BR /><BR /><h3> Spannende Wochen stehen in Österreich bevor</h3>Und das ist auch nötig, schließlich kommen spannende Wochen auf Webhofer, sein Team und ganz Österreich zu. Denn die Alpenrepublik wird in etwas mehr als einem Monat, am 29. September, zu den Wahlurnen gerufen. Die Nationalratswahlen stehen an – und was zuletzt eine klare Angelegenheit für die Österreichische Volkspartei (ÖVP) war, verspricht in diesem Jahr unter Parteichef Karl Nehammer wesentlich mehr Spannung. <BR /><BR />Von Skandalen gebeutelt, drohen der aktuellen Kanzlerpartei herbe Verluste. Großer Wahlgewinner könnte FPÖ-Chef Herbert Kickl werden. Die Rechtspopulisten befinden sich seit Monaten im Aufwind und könnten gar stärkste Kraft werden. <BR /><BR />Die SPÖ hat sich unterdessen mit Andreas Babler neu aufgestellt und hofft auf die große Wahlüberraschung. So oder so, am Ende wird es ziemlich sicher eine Koalition brauchen. „Richtig interessant wird es eigentlich erst nach den Wahlen“, weiß auch Webhofer. Denn die Koalitionsverhandlungen dürften zäh werden. „Die Umfragen zeigen konstant die FPÖ voran. Doch was passiert nach dieser Wahl? Das ist das eigentlich Spannende“, erläutert der ORF-Innenpolitikchef. <BR /><BR />Die aktuelle ÖVP-Spitze jedenfalls hat die Zusammenarbeit unter einem Kanzler Kickl mehrfach ausgeschlossen. Nur Wahlkampf? „Da hat sich die Parteispitze eigentlich schon richtig eingemauert. Aber vielleicht sieht die ÖVP-Führungsebene nach der Wahl ganz anders aus, und es ergibt sich schließlich doch diese Koalition“, so Webhofer, der noch eine Alternative ins Spiel bringt: „Eine Dreier-Koalition, die es ja in Österreich noch nie gegeben hat, z.B. zwischen ÖVP, Sozialdemokraten und einer dritten Kleinpartei.“ <h3> Die FPÖ – ein österreichisches Mysterium</h3>Der Wahlausgang hat natürlich auch Auswirkungen auf den ORF, als öffentlich-rechtliches Medium. Den Versuch von politischer Seite, Druck auszuüben oder auf andere Art Einfluss zu nehmen, gibt es naturgemäß immer wieder. Das zu verhindern und die Unabhängigkeit zu gewährleisten, sieht der Südtiroler als zentrale Pflicht: „Wir setzen alles daran, dass keine Partei kommt und sich in die Berichterstattung einmischt. Voller Selbstvertrauen sage ich auch: Ich stehe dafür ein, dass das nicht passieren wird.“ <BR /><BR />Selbst eine mögliche FPÖ-Regierung soll daran nichts ändern. Wenngleich die Freiheitlichen zuletzt vermehrt Breitseiten in Richtung ORF gefeuert haben. Und warum die Rechtspopulisten trotz einiger Eskapaden – allen voran der Ibizaskandal um Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache – in der Wählergunst so hoch stehen, erscheint auch Webhofer mitunter überraschend: „Offensichtlich verzeihen die FPÖ-Sympathisanten ihrer Partei schneller, als dies bei den anderen Parteien der Fall ist. Und die Krisen der vergangenen Jahre haben ihr natürlich in die Karten gespielt.“ <BR /><BR />Noch aber ist unklar, ob und wie stark die FPÖ ab Herbst die Geschicke im „Land am Strome“ beeinflussen wird. Sicher ist je<?TrVer> doch, dass Webhofer seiner Le<?TrVer> bensgeschichte in Wien noch weitere Kapitel hinzufügen möchte: „Ich habe gerade eine neue berufliche Herausforderung angenommen. Mit meiner Frau und meinen beiden Kindern fühle ich mich hier sehr wohl.“ Ob eine Rückkehr nach Südtirol in ein paar Jahren zur Option wird? „Ich weiß es nicht“, so Webhofer, „jetzt genieße ich einfach mein Leben in Wien.“ <BR /><BR />Insofern hat sich der gebürtige Meraner seinen Logenplatz inzwischen wieder eingerichtet. Denn das nächste Stück auf der österreichischen Polit-Bühne – ob Komödie oder Tragödie – steht mit Sicherheit an und darf nicht verpasst werden.