So soll es nicht weitergehen – künftig sollen solche Patienten stärker zur Kasse gebeten werden. <BR /><BR />Jeden Tag kommen mindestens 40 Patienten mit Beschwerden in Südtirols Notaufnahmen, die eigentlich keine Notfälle sind und für die der Hausarzt zuständig wäre. Sie werden als Kodex Blau eingestuft und die vergebenen blauen Kodexe sind 2023 gegenüber 2022 um 10 Prozent gestiegen – von 13.466 auf 14.829. Damit wurden 2023 etwa 371.000 Euro eingenommen, teilt Generaldirektor Christian Kofler mit.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1018407_image" /></div> <BR />Dabei ist man bei der Vergabe der blauen Kodexe immer noch gnädig, meint der Pflegekoordinator der Notaufnahme in Brixen, Franz Gruber. Wäre man beinhart, dann würden in Südtirol 20.000 oder 25.000 blaue Kodexe pro Jahr vergeben. <BR /><BR />Wer mit Kodex Blau eingestuft wird, der zahlt derzeit 25 Euro an Kostenbeteiligung – in Zukunft sollen solche Patienten aber tiefer in die Tasche greifen müssen. „Diese Möglichkeit wird derzeit angedacht und ist mit den politischen Entscheidungsträgern entsprechend abzuklären“, kündigt der neue Generaldirektor des Sanitätsbetriebes, Christian Kofler, an. Gesundheitslandesrat Dr. Hubert Messner will „zuerst alle Zahlen genau analysieren“. Danach soll aber eine Erhöhung ins Auge gefasst werden, sagt auch Messner. <h3> Südtirols Hausarztsystem wäre zu reformieren</h3>Für die vielen Kodex-Blau-Patienten in den Notaufnahmen gibt es mehrere Gründe, berichtet Pflegekoordinator Gruber. Ein großes Problem sei das Hausarztsystem. „Ich kenne das Hausarztsystem seit 30 Jahren, und seit 30 Jahren jammert man. Es hat nie richtig gut funktioniert. Viele Patienten mit Kopfweh oder Bauchweh berichten mir, dass sie erst in der nächsten Woche einen Termin bei ihrem Hausarzt bekommen. Das kann ja nicht funktionieren. Es muss immer eine Schiene offen sein, bei der Patienten mit einem subakuten Problem zum Hausarzt gehen können. Wenn jemand starke Kopfschmerzen hat, dann muss ein Patient gleich etwas erhalten.“ <BR /><BR />Der Hausarzt wäre eigentlich von Montag bis Samstag in der Früh immer für seine Patienten zuständig, doch wenn ein Patient abends um 18 Uhr ein Problem habe, dann schaue er auf die Öffnungszeiten des Ambulatoriums des Hausarztes und wenn dieses geschlossen sei, komme er in die Notaufnahme. <h3> Vorschlag: Basisärzte angrenzend zur Notaufnahme</h3> Gruber wäre dafür, dass die Hausärzte von 8 Uhr bis 17 Uhr im Dienst sein sollten und danach sollte ein Hausarzt in den Räumen neben der Notaufnahme im Krankenhaus Brixen Dienst tun und für diese Patienten da sein. „Jeder Bürger, der etwas braucht, kann dann in die Notaufnahme kommen und wir als Pfleger weisen ihn dann zu – dem Hausarzt oder dem Facharzt. Braucht der Hausarzt dann ein EKG oder eine Infusion, sind wir da und können es machen. Das würde die Versorgungsqualität enorm steigern.“ So ein Hausarzt-Dienst könnte entweder neben der Notaufnahme oder im Sprengel angeboten werden – besser wäre es aber im Spital. In Bozen hat man dieses System bereits erprobt – mit Beginn im Dezember 2019.<BR /><BR />„Ja – es braucht Hausärzte neben der Notaufnahme“, meint auch Landesrat Messner. Aber vor allem brauche es diese Hausärzte in den großen Sprengeln bzw. Gemeinschaftshäusern. Diese Gemeinschaftshäuser müssen bis 2026 stehen und werden die Filter für die Notaufnahme sein, sagt Messner. Dort werde es dann keine Kodexe geben. <h3> Generaldirektor Kofler: Bürger mehr sensibilisieren</h3>Generaldirektor Kofler berichtet, dass bereits seit Längerem Projekte laufen, „die wir verstärkt angehen wollen und die zu einer Reduktion der Zugänge zu den Notaufnahmen führen sollen. Wir müssen die Betreuung vor Ort stärken, zum Beispiel auch durch die Einführung von Betreuungspfaden für chronisch kranke Patienten. Außerdem arbeiten wir mit den Vertretern der Hausärzte an der noch genaueren Definition der Verschreibungsmodalitäten. Zudem gilt es, verstärkt den Bürger zu sensibilisieren, dass sie die Notaufnahme nur dann aufsuchen, wenn ein Notfall und Dringlichkeit vorliegen“, sagt Kofler. <BR /><BR />Für den Generaldirektor ist die Zunahme an Kodex-Blau-Patienten „überschaubar“ – gemessen an der Gesamtzahl der Notaufnahme-Zugänge. Eine Ursache für die Steigerung sei auch, dass das öffentliche Leben und das Freizeitverhalten nach Corona wieder voll Fahrt aufgenommen habe. Damit steige naturgemäß auch das Patientenaufkommen. <BR /><BR /><BR />