Nach einem erneuten Vermittlungsanlauf benachbarter Golfstaaten und westlicher Diplomaten soll der Präsident einem Kompromiss zugestimmt haben, dem zufolge er innerhalb eines Monats zurücktritt und im Gegenzug Immunität vor Strafverfolgung erhält. Dies erklärte zumindest ein Sprecher der Opposition. Das Abkommen sollte noch am Mittwoch unterzeichnet werden.Der arabische Fernsehsender Al-Arabiya zitierte einen Berater von Saleh mit den Worten, dass die Unterzeichnung eines Abkommens unmittelbar bevorstehe. Ahmad al-Sufi sprach von einem „Durchbruch“ und einem „wichtigen Fortschritt“ bei den Verhandlungen zwischen beiden Seiten: „Die Unterzeichnung wird heute stattfinden.“Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Regierung und Opposition im Jemen kurz vor einer Einigung standen. Schon Anfang Mai scheiterte die Unterzeichnung eines Vertrags, weil Saleh damals nur in seiner Funktion als Parteivorsitzender und nicht als Präsident das Dokument unterzeichnen wollte.Das Abkommen sah die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit unter Federführung der Opposition, die Übergabe der Macht des seit 32 Jahren amtierenden Saleh an den Vize-Präsidenten sowie ein Ende der Demonstrationen vor. 60 Tage nach dem Rücktritt Salehs sollte es Neuwahlen geben. Dieses Abkommen soll nun mit kleinen Änderungen nach Interventionen von amerikanischen und europäischen Diplomaten besiegelt werden, sagte der Oppositionsvertreter Yahya Abu Usbua.Der Sprecher der parlamentarischen Oppositionsgruppe JMP, Mohammed Kahtan, äußerte sich vorsichtiger: Eigentlich hätte der modifizierte Plan bereits am Dienstagabend unterzeichnet werden sollen. Im letzten Moment habe Saleh aber wieder einen Rückzieher gemacht. Für Mittwochnachmittag sei ein neues Treffen der Opposition mit dem Vermittler der Golfstaaten, Abdellatif al-Sayani, vorgesehen. Seit Samstag hatte sich Vermittler Sayani in Gesprächen mit beiden Seiten um einen Ausweg aus der Krise bemüht. Der Analyst Shadi Hamid vom Brookings Doha Centre sagte: „Ich werde es erst glauben, wenn ich es gesehen habe. Das ist die Lehre aus dem Jemen.“Im Jemen protestieren seit drei Monaten Tausende Menschen gegen Saleh. Die Demonstranten fordern den sofortigen Rücktritt des 69-jährigen Machthabers. Bei den seit Februar andauernden Protesten töteten Sicherheitskräfte und bewaffnete Anhänger des Präsidenten bisher rund 170 Regimegegner. Mehr als 1.000 weitere wurden verletzt. Die USA und das benachbarte Saudi-Arabien hatten die Entwicklung in dem Land mit zunehmender Sorge beobachtet, weil sie im Falle eines Umsturzes ein Erstarken des Terrornetzwerks Al-Kaida im Jemen befürchteten.apa/reuters/afp