von Janos I. Szirtes<BR /><BR />Es wird berichtet, dass Trump mehrere Male mit Orban über die Ukraine gesprochen hat und sich vorwiegend dafür interessierte, wie stark wirtschaftlich und militärisch Russland ist und wie Orban Kremlchef Wladimir Putin (72, Geeintes Russland) beurteilt.<BR /><BR />Es ist bekannt, dass Trump seine Meinung oft nach Personen bildet, denen er vertraut, und Sachverständige bei ihm eher das Nachsehen haben. Orbán ist überzeugt, dass es in der Ukraine um eine humanitäre und materielle Schlacht geht; beidesfalls hat Russland den längeren Atem. Auch ist Trump der Meinung, dass man von den Realitäten ausgehen muss, d. h., dass die Ukraine am Verlieren ist. Ein Waffenstillstand entlang der Frontlinien ist ihm zufolge notwendig; zu den Vorbedingungen, die Putin dazu stellt, gibt es aber keine Meinung.<BR /><BR />Orbáns Vorstellungen und Trumps Absichten fallen zusammen. Letzterer will seinem Versprechen entsprechend die heiße Phase des Krieges schnell beenden, um die USA zu entlasten. Orbáns Friedensmission im Dezember soll ihm den Weg dazu bahnen. Allerdings sind die Vorstellungen des Stabes rund um Trump nicht kohärent: Mal geht es um Aufteilung der Ukraine, Beendigung der Unterstützung, mal um starke Waffenlieferungen und Festigung der Frontlinien mit der Absicht, Russland an der Verletzung der Waffenruhe zu hindern. <BR /><BR />Alles, selbst das Angebot, den NATO-Eintritt der Ukraine für 20 Jahre auszusetzen, ist nicht im Sinne von Putin.<BR /><BR />Ob Orbáns mit seiner zweiten Friedensmission mehr erreichen kann, als mit der ersten, steht in den Sternen. Das Problem ist: Falls Kiew de facto der Besetzung von 20 Prozent des Landes zustimmt, bleiben die Forderung nach Neutralität, Entwaffnung sowie die Art und Weise der Garantien für den Waffenstillstand ungelöst – weil diesbezüglich Kreml und Kiew unüberbrückbare Vorstellungen haben. <BR /><BR />Auch wenn Trump beide Seiten zu einem Waffenstillstand zwingt, wozu er die Möglichkeit haben wird, schafft dies eine vorübergehende, unstabile, mit zahlreichen Zwischenfällen gesäumte Situation wie zwischen 2014 und 2022, ganz davon zu schweigen, dass Putins Vertragstreue sehr fraglich ist. Sollte es während des Waffenstillstandes der Kreml nicht schaffen, aus der Ukraine einen Vasallen zu machen, wird das Schweigen der Waffen nur von kurzer Dauer werden. Zudem bahnt Trump mit einem solchen schnellen, nicht abgesichertem Waffenstillstand eine zukünftige Entwicklung an mit dem er später schwer zu kämpfen hätte – es könnte eine Erneuerung des Krieges erfolgen oder eine weitere Aggression; in Moldawien und im Kaukasus könnten Vasallen Putins eingesetzt werden oder es könnte zu Provokationen im Baltikum oder in Polen und Bulgarien geben.