Die Bevölkerung spürt die ökonomischen und sozialen Probleme. Ungarn ist auf vielen Gebieten entweder der letzte oder vorletzte der Union. Die Bevölkerung glaubt den offiziellen Politiker- und Presseinterpretationen nicht, Politikverdrossenheit machte sich breit. Über die Hälfte der Bürger ist mit der Politik der Regierung unzufrieden und wünscht sich eine Änderung. Es war jedoch keine Opposition da, denen man Vertrauen schenkte.<BR /><BR />Mit dem Erscheinen von Peter Magyar im Spätwinter 2024 hat sich dies geändert. Der bislang unbedeutende Trittbrettfahrer Orbans fiel in Ungnade. Deswegen begann er einen Kampf gegen das Establishment, zu dem er noch in jüngster Vergangenheit gehörte. Der Kampf schien hoffnungslos und wurde scheinbar durch Rache motiviert, doch die politikverdrossenen Bürger sahen dies anders nach dem Motto: egal, wer, nur Änderung soll her. In den für Ungarn nie gesehenen Scharen gingen sie zu seinen Demonstrationen.<BR /><BR />Im politischen Aufwind kaufte sich Magyar im Frühjahr in eine Minipartei, in die Tisza ein, und erzielte bei den Wahlen zum Europaparlament 28 Prozent der Stimmen. Im Spätsommer war seine kaum Mitglieder zählende Partei nach Umfrageergebnissen schon auf der Augenhöhe mit der Regierungspartei, kurz darauf übernahm er sogar die Führung. Dies trotz ernsthaften und sichtbaren Charakterschwächen, narzisstischen Zügen und öffentlichen Skandalen. Die Regierungspartei glaubte, ihn durch den gut bewährten Charaktermord zu neutralisieren, doch als Teflon-Mann prallte dies von ihm ab. Der Bevölkerung war dies nämlich egal. <BR /><BR />Sie sahen in ihm den ungarischen Trump. Dabei hat er weder verlässliche Mitstreiter noch die notwendige Parteibasis und Vertrauenspersonen. Per Castings sucht er Fachleute. Anwärter auf Abgeordnetenposten werden per Meistbietende benannt. Er hat die politische Opposition an den Rand der Bedeutungslosigkeit gebracht. Großteils nahm er von ihnen ihr Wahlvolk, aber auch beträchtliche Teile der Regierungspartei konnte er ansprechen.<BR /><BR />Bis zu den Wahlen 2026 ist es noch ein weiter Weg. Würde man heute wählen, könnte er mit seinen populistischen Versprechen Orban absetzen, doch nicht sein Programm, sondern die Unzufriedenheit der Wahlbürger wäre der Grund dafür. Niemand weiß, welche Politik er verfolgen würde. Ob Orban in der verbliebenen Zeit in der Lage sein wird, die kritische Haltung der Bevölkerung angesichts der von ihm verheimlichten, doch trotzdem zunehmend sichtbaren ökonomischen und sozialen Problemen oder die Teflon-Haut Magyars ändern zu können, ist fraglich.<BR /><BR /><b>von Janos I. Szirtes</b>