Mittwoch, 08. März 2017

Ortsnamen: Sicher geglaubter Kompromiss liegt auf Eis

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde aus der Sechserkommission in Rom ein Durchbruch verkündet: Einigung in der Toponomastik-Frage. Nur wenige Wochen später: Ernüchterung. Nach der Sitzung am Mittwoch liegt der sicher geglaubte Kompromiss auf Eis.

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Foto: © D

Es grenzt fast an ein Wunder, meinten die Senatoren Karl Zeller und Francesco Palermo am 23. Februar. An diesem Tag saßen sie zusammen mit seinen Kollegen in der Sechserkommission und erlebten, wie sich diese – vollkommend überraschend – auf einen Kompromiss in der Toponomastikfrage einigte.

Demnach sollten in Südtirol nur jene Ortsnamen gelten, die im Gebrauch sind. Welche das sind, sollte eine paritätisch (3 deutsch, 3 italienisch) besetzte wissenschaftliche Kommission feststellen. Jeder Beschluss, ob ein Name einsprachig deutsch  - mit Zusatz „Malga“ oder „Monte“ - oder zweisprachig deutsch/italienisch in ein Landesregister eingetragen wird, sollte mit doppelter Mehrheit erfolgen. Mit jedem Beschluss sollten also 2 deutsche und 2 italienische Experten einverstanden sein.

Bis zum Schluss umstritten war, welche Namenslisten der Norm beigelegt werden. Vor allem Roberto Bizzo vom Partito Democratico wollte auf keinen Fall dem Anhang B mit 132 einsprachig deutschen Namen zustimmen. Doch auch in diesem Zusammenhang habe man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können, meinte damals Senator Francesco Palermo.

Vergangene Woche: 102 Senatoren unterzeichnen Protestdokument

Eine Einigung, die nicht lange währen sollte. Bereits vergangene Woche formierte sich in Rom starker Widerstand gegen den Kompromiss. 102 Senatoren aller politischer Lager unterzeichneten einen Akademiker-Appell, der sich für den Erhalt der italienischen Ortsnamen in Südtirol stark machte. Ein Appell, für den Senator Giovanardi die Senatoren um Unterstützung bat. „Wenn Sie ins italienische Parlament gehen und den Senatoren vorgaukeln, dass in Südtirol die italienischen Ortsnamen verschwinden, dann ist das ein großer Anreiz für jeden zu unterschreiben. Mit so etwas kann man natürlich leicht Stimmung machen“, erklärte sich Senator Zeller das Vorgehen im Gespräch mit STOL. 

Bizzo stellt neue Forderungen

Doch es sollte noch dicker kommen: Am heutigen Mittwoch fand die entscheidende Sitzung der Sechserkommission statt, über die Ortsnamen-Frage sollte definitiv abgestimmt werden. Und da zeigte sich: Der Kompromiss hält nicht.

Roberto Bizzo vom PD stellt neue Forderungen. Eine davon: Die Durchführungsbestimmung solle festhalten, dass alle 8000 Ortsnamen zweinamig bleiben – solange, bis die zuständige Kommission Ort für Ort eine Lösung findet.

Für Zeller und Parteikollegen unannehmbare Forderungen. Man einigte sich darauf, nicht abzustimmen. Bizzo will nun noch einmal Rücksprache mit dem PD halten. In zwei Wochen soll dann wieder verhandelt werden.

stol

stol