Donnerstag, 23. Februar 2017

Ortsnamen: SVP sieht „Durchbruch“, Schützenbund „faulen Kompromiss“

Wie berichtet, hat sich die Sechserkommission in der Frage der Südtiroler Ortsnamen einstimmig auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach sollen in Südtirol nur jene Ortsnamen Gültigkeit erlangen, die im Gebrauch sind, berichtete das Tagblatt „Dolomiten“ in ihrer Donnerstagsausgabe. Während die SVP den „Durchbruch“ begrüßte, sah der Südtiroler Schützenbund einen „faulen Kompromiss“.

Badge Local

Welche Namen in Gebrauch sind, soll eine paritätisch besetzte wissenschaftliche Kommission feststellen, deren Vertreter vom Landtag ernannt werden. Jeder Beschluss, ob ein Name einsprachig deutsch mit Zusatz „Malga“ oder „Monte“ oder zweisprachig deutsch/italienisch in ein Landesregister eingetragen wird, müsse mit doppelter Mehrheit erfolgen, berichteten die „Dolomiten“. Für einen Beschluss müssten also jeweils zwei deutsche und zwei italienische Experten einverstanden sein.

Bei der Frage, welche Namensliste der Norm beigelegt werden solle, habe man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt. Demnach sollen rund 1.300 Flurnamen in den Anhang aufgenommen und damit außer Streit gestellt werden. 200 Namen seien ausgeklammert worden. Diese sollen dann an die Kommission gehen, die darüber entscheidet, ob sie einsprachig oder in beiden Landessprachen zu führen sind.

„Schließung eines jahrzehntelang offenen Kapitels“

SVP-Obmann Philipp Achammer begrüßte den „Durchbruch“. Durch die Einigung könne es gelingen, „ein jahrzehntelang noch offenes Kapitel im Zusammenleben zwischen den Sprachgruppen endlich zu schließen“, argumentierte Achammer in einer Aussendung. Sie sei gerade deshalb bedeutend, weil aufgrund des Prinzips des effektiven Gebrauchs auch die bisherige Auslegung des Pariser Vertrages endlich durchbrochen wurde, wonach Zweisprachigkeit die Übersetzung sämtlicher Orts- und Flurnamen bedeute.

Der Südtiroler Schützenbund hingegen sah einen „faulen Kompromiss“. Die verantwortlichen Politiker hätten sich nie auf einen „wissenschaftlichen Diskurs“ eingelassen. Zudem stelle sich die Frage, welche Kriterien bei der Entscheidung, welcher geographische Name gebraucht werden soll, verwendet werden. Zu hoffen bleibe, dass die Kommission mit Sprachwissenschaftlern besetzt werde, „für welche die historische Fundiertheit ein wichtiges Kriterium darstellt“.

„Kulturpolitisches Waterloo“

Auch die Freiheitlichen sind nicht zufrieden mit der Lösung: „Was die SVP als Durchbruch in der Ortsnamenfrage verkündet, ist in Wahrheit ein Dammbruch und ein kulturpolitisches Waterloo. Tatsächlich wird einer Kommission anheimgestellt, welche Namen gebräuchlich sind. Der Begriff der Gebräuchlichkeit ist dehnbar. Wie diese Kommission bestellt wird, kann man sich leicht ausmalen und das Prinzip der so genannten doppelten Mehrheit (Mehrheit der Mitglieder einer Sprachgruppe und Mehrheit der Kommission insgesamt) ist die beste Garantie dafür, dass keine italienischen Namen verschwinden, die weder einen historischen Hintergrund haben noch gebräuchlich sind. Es war ein Fehler, die Kommission paritätisch zu besetzen anstatt der Volksgruppenstärke proportional“, schreibt der freiheitliche Fraktionssprecher im Landtag, Pius Leitner, in einer Aussendung.

Die Frage der Ortsnamen ist seit Jahrzehnten ungelöst. In den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die deutschsprachigen Ortsnamen abgeschafft und durch italienische ersetzt. Mit dem Autonomiestatut von 1972 war das Recht zugestanden worden, dass die deutschen Ortsnamen wieder eingeführt werden. Dabei wurde aber die Pflicht zur Zweinamigkeit verankert.

apa

stol