Freitag, 14. August 2015

Ortsnamenfrage? "Versagen der Politik"

Am 16. August 2015 wäre Ettore Tolomei 150 Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum veranlasst den Toponomastikexperten und Pressesprecher der Süd-Tiroler Freiheit, Cristian Kollmann, auf die immer noch ungelöste Ortsnamenfrage hinzuweisen.

Diese Karte zierte ab 1908 das Titelbild von Tolomeis programmatischer Zeitschrift "Archivio per l'Alto Adige". Damals ebenfalls von Tolomei beansprucht: das schweizerische Münstertal - im Gegensatz zu Sexten und Innichen, da außerhalb des "Hochetsch" befindlich.
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Diese Karte zierte ab 1908 das Titelbild von Tolomeis programmatischer Zeitschrift "Archivio per l'Alto Adige". Damals ebenfalls von Tolomei beansprucht: das schweizerische Münstertal - im Gegensatz zu Sexten und Innichen, da außerhalb des "Hochetsch" befindlich.

Kollmann schreibt: „Ettore Tolomei, der Erfinder des ‚Alto Adige‘, steht für beispiellose Nachhaltigkeit, die über die Zeit des italienischen Faschismus hinausreicht: Dank der drei faschistischen Namensdekrete haben seine unzähligen konstruierten Orts- und Flurnamen – und daneben ca. 200 echte italienische Namen – bis heute alleinige amtliche Gültigkeit, während die deutschen und ladinischen Namen nur von Roms Gnaden geduldet sind. Die Funktion von Tolomeis pseudoitalienischen Bezeichnungen besteht bis heute darin, die Siedlungs- und Sprachgeschichte des Gebiets des heutigen Südtirols und seiner Bewohner zu manipulieren.“

Diese Manipulation habe, so Kollmann, mittlerweile sogar eine Steigerung erfahren: „Besonders von den italienischen Parteien und den Verdi-Grünen-Vërc wird Tolomeis Kulturverbrechen als sprachlich-kulturelle Bereicherung und als friedenserhaltende Maßnahme reinterpretiert. 

Als wäre es geradezu eine Selbstverständlichkeit, wird der Name ‚Südtirol‘ reflexartig und unreflektiert mit ‚Alto Adige‘ übersetzt.“ Genau dies seien laut Kollmann die Symptome der „Altoatesinisierung“, d. h. „einer speziellen Form der Assimilierung der Südtiroler Bevölkerung, in deren Köpfen sich Tolomeis ‚Alto Adige‘-Virus und vieles, was mit diesem Virus verbunden ist, gewissermaßen als trojanisches Pferd fest installiert hat.“

Völliges Versagen der Politik? 

Der Politik wirft Kollmann mehrheitlich „völliges Versagen“ vor. Er fragt sich: „Was muss noch geschehen, damit bei den Politikern endlich der Funke überspringt und sie den kulturellen Wert einer historisch fundierten Orts- und Flurnamengebung in ihrer Gesamtheit erkennen?“

Der Toponomastikexperte kündigt an: „Die Süd-Tiroler Freiheit wird nicht müde werden, Anfragen und Beschlussanträge der Süd-Tiroler Freiheit im Landtag einzubringen, damit das Thema Toponomastik endlich wissenschaftlich und faschistisch unbelastet angegangen wird, so dass Tolomeis trojanische Pferde aus den Köpfen deinstalliert werden.“

Echte italienische und konstruierte Orts- und Flurnamen in Südtirol: Eine Auswahl von Christian Kollmann  

Echt italienisch
Adige
Bolzano
Bressanone
Bronzolo
Brunico
Burgraviato
Egna
Fortezza
Gardena
Isarco
Laives
Maia
Merano
Passiria
Pusteria
Salorno
Sterzen (= Sterzing)
Trodena
Vadena
Venosta

  

Konstruiert bzw. rekonstruiert
Aldino
Aslago
Collalbo
Colle Isarco
Collepietra
Lagundo
Malles
Marlengo
Nova Levante
Nova Ponente
Quarazze
Rencio
Resia
Sarentino
Silandro
Sinigo
Talvera
Terlano
Varna

Vipiteno

 

stol