Dienstag, 14. September 2021

Papst warnt vor missbräuchlicher Verwendung des Kreuzes

Am dritten Tag seiner Slowakei-Reise hat Papst Franziskus davor gewarnt, das Kreuz als christliches Symbol für politische Zwecke zu missbrauchen. Außerdem besuchte das Kirchenoberhaupt eine Roma-Elendssiedliung.

Tausende versammelten sich zur Rede des Papstes in Kosice.
Tausende versammelten sich zur Rede des Papstes in Kosice. - Foto: © APA/AFP / PETER LAZAR
„Wir dürfen das Kreuz nicht auf einen Andachtsgegenstand reduzieren, geschweige denn auf ein politisches Symbol“, sagte der Pontifex am heutigen Dienstag in seiner Predigt in Presov vor einigen 10.000 Gläubigen. Man müsse auch nach den Werten des christlichen Glaubens leben, wenn man das Kreuz als Symbol verwende, so Papst Franziskus.

Papst besucht slowakische Roma-Elendssiedlung

Papst Franziskus hat die Ausgrenzung der Roma in der Slowakei kritisiert. „Man kann die Menschen nicht schematisieren. Um sie wirklich zu erkennen, muss man sie vor allem anerkennen“, sagte er am Dienstag in seiner Ansprache in der ostslowakischen Stadt Kosice bei einem Besuch der Roma-Elendssiedlung Lunik IX. In den einst als Arbeitersiedlung angelegten Plattenbauten leben zwischen 5.000 und 6000 Menschen. Lunik IX ist damit die größte Roma-Siedlung Mitteleuropas.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche verurteilte die Ansiedelung der Menschen in dem wegen seiner katastrophalen Wohnzustände bekannten Viertel am Stadtrand. „Gettoisierung von Menschen bringt keine Lösung. Wenn man die Eingeschlossenheit schürt, bricht früher oder später Wut aus.“ Franziskus zufolge ist Integration der Weg für ein friedvolles Zusammenleben.

Die Gebäude sind verschmutzt und heruntergekommen. Die slowakische Regierung hatte die Roma gezielt in den verfallenden Bauten angesiedelt und verstärkte damit die tief sitzenden Vorurteile gegenüber der Volksgruppe. „Zu oft seid ihr schon Gegenstand von vorgefassten Meinungen und erbarmungslosen Urteilen, von diskriminierenden Stereotypen, von diffamierenden Worten und Gesten geworden“, beklagte der Pontifex.

Die Bewohner der Siedlung empfingen den Heiligen Vater euphorisch. Sie tanzten und jubelten ihm zu. Auf einer Bühne berichteten Bewohner von ihrem Leben in der nach einer Mondrakete benannten Siedlung aus kommunistischer Zeit. „Mein Mann und ich wollten dieses Viertel verlassen, aber wir wussten nicht wie“, erzählte eine Frau.

Bezeichnenderweise stritten slowakische Politiker im Vorfeld der Visite öffentlich darüber, wer „schuld“ daran sei, dass der „Schandfleck“ Lunik IX ins Reiseprogramm des Papstes aufgenommen worden war. Dagegen sehen die Vertreter des Salesianer-Ordens, die als Seelsorger direkt in der Siedlung tätig sind, darin eine für den gegenwärtigen Papst typische Ausrichtung der Kirche auf die Armen und Ausgegrenzten. Als Geistlicher in Buenos Aires hatte er wiederholt Elendsviertel besucht.

In der slowakischen Mehrheitsbevölkerung ist das nach einer Mondrakete benannte Viertel Lunik IX bekannt für soziale Not und die Abhängigkeit der meisten Bewohner von staatlichen Sozialleistungen. Viele Familien leben auf engstem Raum.


apa