Dienstag, 07. Dezember 2021

Papst zu EU-Dokument über Weihnachten: „Anachronistisch“

Papst Franziskus hat auf der Heimreise nach seinem Besuch in Griechenland ein internes Dokument der EU-Kommission mit Formulierungshinweisen kritisiert, in dem geraten wurde, Begriffe wie „Weihnachten“ und „Maria und Josef“ aus dem Vokabular streichen. Im Gespräch mit Journalisten im Flugzeug auf der Heimreise nach Rom bezeichnete der Papst das EU-Dokument am Montag als „anachronistisch“.

Der Papst hat am Montag im Flugzeug klare Worte zum EU-Dokument von Kommissarin Helena Dalli gefunden.
Der Papst hat am Montag im Flugzeug klare Worte zum EU-Dokument von Kommissarin Helena Dalli gefunden. - Foto: © ANSA / VATICAN MEDIA
In der Geschichte hätten bereits viele Diktaturen versucht, Begriffe wie Weihnachten zu streichen. „Ich denke an Napoleon oder an die Nazi-Diktatur oder an die kommunistische Diktatur. Aber das hat in der Geschichte nicht funktioniert“, so Franziskus. Er bezeichnete das EU-Dokument als „verwässerten Laizismus“.

Leitlinie für interne Kommunikation

In einer Leitlinie für inklusive Kommunikation innerhalb der EU-Institutionen mit dem Titel „Union of Equality“ wird empfohlen, auf den Begriff „Weihnachten“ sowie auf „Maria und Josef“ zu verzichten. Man solle lieber von „stressigen Feiertagen“ und nicht mehr von „stressigen Weihnachtstagen“ sprechen, empfahl die Kommission zudem. Es gehe darum, andere Kulturen nicht zu diskriminieren. Wenn es um fiktive Personen gehe, solle man diese nicht Maria und Johannes nennen, sondern Malika und Julio. Angesichts dieser Beispiele sorgte das 30-seitige Büchlein mit den Leitlinien für helle Empörung in Italien. Nach heftiger Polemik beschloss die EU, die Leitlinie zurückzuziehen.

„Jeder Mensch in der EU hat das Recht, gleich behandelt zu werden, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Rasse, Religion, Behinderung und sexueller Orientierung“, heißt es in der Einleitung des Dokuments, das von EU-Gleichstellungskommissarin Helena Dalli überprüft wurde. „Die Worte und Bilder, die wir in unserer täglichen Kommunikation verwenden, vermitteln eine Botschaft darüber, wer wir sind und wer wir nicht sind“, so die These der Leitlinien.

Christentum: Wurzel Europas

Zum Thema Geschlecht heißt es: „Geschlechtsneutrale Substantive und Pronomen sind zu bevorzugen“. Anstelle von „er“ oder „sie“ sei es besser, ein allgemeineres „sie“ zu verwenden. „Begrüßen Sie ein Publikum niemals mit ,meine Damen und Herren‘, sondern stellen Sie sich einfach mit ,liebe Kollegen‘ vor“, heißt es weiter. Beim Organisieren von Veranstaltungen und bei der Arbeit in Gruppen und Teams wird geraten, besonders auf die unterschiedlichen religiösen und kulturellen Hintergründe ihrer Teilnehmenden zu achten.

Der Vatikan hatte bereits in den vergangenen Tagen das EU-Dokument kritisiert. „Natürlich wissen wir, dass Europa seine Existenz und seine Identität vielen Beiträgen verdankt, aber wir dürfen nicht vergessen, dass einer der wichtigsten Beiträge, wenn nicht sogar der wichtigste, das Christentum selbst war“, so der vatikanischen Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin. Daher kämen eine Leugnung des Unterschieds und der Wurzeln letztlich eine Zerstörung der Person gleich.

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apa