Bei einer Vertrauensabstimmung über ein Regierungsdekret hat der Großteil der Senatoren der Partei von Berlusconi nicht an der Abstimmung teilgenommen. Da die PdL-Senatoren aber im Plenum blieben, konnte die Abstimmung regulär durchgeführt werden. Die Regierung erhielt zwar das Vertrauen des Senats – 127 Abgeordnete von 167 anwesenden Senatoren sprachen der Regierung ihr Vertrauen aus – nicht aber der meisten Abgeordneten der stärksten Partei. 17 Senatoren stimmten bei der Vertrauensabstimmung gegen die Regierung Monti, 23 enthielten sich der Stimme. PdL-Fraktionschef im Senat Maurizio Gasparri kündigte am Donnerstag an, dass der PdL sich bei künftigen Abstimmungen betreffend Regierungsmaßnahmen der Stimme enthalten werde. Damit droht eine Regierungskrise. Sollte der PdL diese Linie bestätigen, würde Monti de facto die Mehrheit im Parlament verlieren. Am Donnerstagnachmittag kündigte die Partei an, dass sich auch die PDL-Abgeordneten in der Kammer der Stimme enthalten werden.ReaktionenSenatspräsident Renato Schifani zeigte sich wegen den politischen Turbulenzen besorgt. „Wir stehen vor einer neuen politischen Situation, ich werde Napolitano informieren“, sagte Schifani.Monti müsse nach dieser Abstimmung zum Staatspräsidenten, erklärte Anna Finocchiaro, Chefin des PD im Senat, am Donnerstag.Er müsse Giorgio Napolitano über die neue politische Lage in Rom informieren.Für PD-Chef Pier Luigi Bersani ist unklar, „ob es um eine Enthaltung bei einer Abstimmung ging oder ob es eine politisch motivierte Enthaltung der PdL-Senatoren war.“ Bei einer Sitzung der Fraktionssprecher am Abend werde es Klarheit geben, ob die bisherige Mehrheit für die Regierung Monti weiterhin stehe, so Bersani am Donnerstag.Für Roberto Maroni hat „Premier Mario Monti keine Mehrheit im Senat mehr, er soll sofort seinen Rücktritt einreichen“, forderte der Chef der Lega Nord. Passeras AussagenIn einem TV-Interview hatte Minister Passera am Donnerstag schwere Bedenken über eine mögliche Kandidatur Berlusconis geäußert. „Alles was der Welt den Eindruck geben könnte, dass Italien zurückkehrt, statt Schritte nach vorne zu machen, ist kontraproduktiv“, betonte der Minister in Anspielung auf eine mögliche Kandidatur des Medienzaren als Premierkandidat des Mitte-rechts-Blocks.Berlusconi hatte am Mittwochabend seinen Willen signalisiert, Spitzenkandidat für die Parlamentswahlen nächstes Jahr zu werden. „Ich werde von Forderungen meiner Anhänger überhäuft, so rasch wie möglich meine Rückkehr in die politische Arena anzukündigen. Die Situation ist heute dramatischer als vor einem Jahr, als ich die Regierung verlassen habe. Heute ist Italien am Rande des Abgrundes“, erklärte Berlusconi in einer am späten Mittwoch veröffentlichten Presseaussendung. In den nächsten Tagen werde er seine politischen Pläne mitteilen, betonte der 76-Jährige.stol/apa