Dienstag, 05. April 2016

Peter Brugger: "Mann mit Herz, Verstand und starken Händen"

Peter Brugger war einer der profiliertesten Politiker der Südtiroler Nachkriegsgeschichte und von 1952 bis 1967 Mitglied des Südtiroler Landtags. Anlässlich seines 30. Todestages erinnerte der Landtag am Dienstag an sein politisches Vermächtnis, in einem voll besetzten Plenarsaal, in dem auch viele seiner politischen Weggefährten saßen.

Ein Handschlag für die Autonomie: Peter Brugger mit Silvius Magnago.
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Ein Handschlag für die Autonomie: Peter Brugger mit Silvius Magnago. - Foto: © D

Landtagspräsident Thomas Widmann erinnerte in seiner Begrüßung an die enge Bekanntschaft zwischen seinem Vater und Peter Brugger. Er erinnerte auch an das Bild, das noch allen bekannt ist, vom Handschlag zwischen Magnago und Brugger nach der Paketabstimmung 1969: “Es ist zu seinem Gedenken wie auch zu unserem eigenen Nutzen, wenn wir dieses Bild für immer in unserer Erinnerung behalten. Denn so sieht ein echter Demokrat aus.”

Kompatscher: "Gemeinsam für das Wohl des Landes gearbeitet"

Die Landesregierung habe die Sitzung am Dienstag bereits um elf beendet, um pünktlich zu dieser Gedenkstunde zu kommen, berichtete Landeshauptmann Arno Kompatscher. Sowohl Brugger als auch Magnago hätten aus tiefster Überzeugung gehandelt, und das knappe Ergebnis habe sich für spätere Verhandlungen auch sehr positiv ausgewirkt. Der Handschlag sei die Basis dafür, dass man gemeinsam trotz verschiedener Positionen für das Wohl des Landes arbeitet. Brugger habe aber auch als Mitglied der Exekutive Wesentliches geleistet, nicht zuletzt das Höfegesetz.

Die Fernsehjournalistin Oktavia Brugger zeichnete anhand von Fotografien das Leben ihres Vaters nach, beginnend beim Bild vom Handschlag, das sie auch näher beschrieb: Da ein strahlender Brugger, Anführer der Paketgegner, die unter Berufung auf das knappe Ergebnis jeden Fehltritt Italiens brandmarken konnten, dort ein ernster Magnago, der das ausgehandelte Paket verteidigen musste und sich natürlich sorgte, ob Italien seine Versprechen einhält. Brugger war, wie man an dieser Retrospektive erkennen konnte, nicht nur der Mann des Handschlags, sondern auch Mitglied der Landesregierung, dem Südtirol die Wiedereinführung des alten Höferrechts verdankt, Parlamentarier in Rom und in Brüssel.

Durnwalder: "Ein Mann mit Herz und Verstand und starken Händen"

Die heutige Autonomie sei keine Selbstverständlichkeit, erklärte Altlandeshauptmann Luis Durnwalder, aber heute seien alle froh darüber. Und dazu hätten auch die seinerzeitigen Paketgegner wie Peter Brugger beigetragen, ohne sie hätte man in Rom nicht so viel herausgeholt. Durnwalder ging auf die Charaktereigenschaften Bruggers ein, die Grundlage für seine politische Arbeit waren: bodenständig, hart im Verhandeln, aber zum Schluss doch bereit zum Handschlag. “Ein Mann mit Herz und Verstand und starken Händen.”

In der Region galt sein Einsatz der Übertragung der Kompetenzen an die Länder. Als dort nichts weitergegangen sei, habe man die härtere Gangart gewählt, mit dem Austritt aus der Regionalregierung. Brugger sei einer jener gewesen, der sich an Gschnitzer und Kreisky gewandt habe, um die Südtirolfrage vor die UNO zu bringen. Er sei noch heute der Überzeugung, dass zwei Regionen besser wären als eine gemeinsame, meinte Durnwalder.

Brugger habe von den Anschlägen sicher gewusst, da er mit dem ganzen Land in Kontakt gewesen sei, aber er habe sich auch stets deutlich gegen Gewalt ausgesprochen, auch gegenüber Sepp Kerschbaumer, genauso habe er aber auch gegen die Folterungen der Attentäter protestiert. Er sei für Verhandlungen gewesen, auch nach der Paketabstimmung, und ihm sei es wesentlich zu verdanken, dass die Durchführungsbestimmungen zum Statut so gut ausgefallen seien.

Brugger habe für die Landespolitik Großartiges geleistet, wenn dies auch nicht so bekannt sei. Er sei der richtige Mann zur richtigen Zeit gewesen, ein ganz großer Südtiroler.

Heiss: "Stets ein Ziel vor Augen: der Friede im Lande"

Landtagsabgeordneter und Historiker Hans Heiss bezeichnete Peter Brugger als neuen Politikertyp für Südtirol, der sich von den Vorgängern, aber auch von den meisten Zeitgenossen unterschied: volksnah und charismatisch, nicht zurückgezogen in den Parteizentralen.

Heiss zeichnete zunächst den privaten Werdegang Bruggers nach, Kindheit und Ausbildung, die auch sein späteres politisches Handeln geprägt hätten, Krieg, erstes politisches Interesse, von gewissen Sympathien für nationalistische Tendenzen bis zur späteren Konzilianz und zur Freundschaft mit Andreotti und Cossiga. Die Landwirtschaft habe Brugger nicht nur als wichtigen Wirtschaftszweig erkannt, sondern auch als Herzstück der Südtiroler Identität, dies sehe man auch an seinem Einsatz und an seinen Erfolgen für diesen Bereich.

In der Autonomiepolitik bildete Brugger zusammen mit Dietl, Benedikter und Dalsass einen harten Kern von Kritikern, die die Partei herausforderten und anspornten und schließlich zum Wechsel an der Spitze führten. Bei aller demonstrativen Härte sei er aber für Kompromisse offen geblieben.

Kontakte mit BAS-Exponenten seien bekannt, ebenso seine deutliche Ablehnung von Gewalt. In den Paketverhandlungen pochten Brugger und seine Gruppe immer wieder auf Verbesserungen, vor allem bei der internationalen Absicherung. Auf dem Handschlag-Foto sehe man dann einen erleichterten Brugger, da damals niemand wissen konnte, wie Rom und Wien auf eine  Ablehnung reagieren würden. In seiner persönlichen Karriere habe Brugger letztlich doch wohl mehr gewollt, aber er sei immer nur in Sicht des Gipfels geblieben.

Die letzten Jahre Bruggers waren geprägt von der Rolle des Mentors und Garanten, der aus Parteiräson auch bereit war, anderen ein prestigeträchtiges Mandat wie jenes in Brüssel zu überlassen. Er habe auch grollende Augen zeigen können, sei letztlich aber immer kompromissbereit gewesen, da ihm ein Ziel stets vor Augen gewesen sei: der Frieden im Lande.

Die vollständige Rede von Hans Heiss lesen Sie hier:

Hans Heiss würdigte im Landtag das Wirken von Peter Brugger. - Foto: DLife

Van Staa: "Ohne Brugger sei die Einstellung der EU zur Berglandwirtschaft heute eine andere"

Brugger gehöre zu jenen, die unendlich viel für dieses Land geleistet hätten, erklärte der Nordtiroler Landtagspräsident Herwig van Staa, der auch mit einigen persönlichen Erinnerungen aufwarten konnte. So etwa, als Brugger ihn, den jungen Innsbrucker Studenten, vor Begeisterung für Gewalt warnte.

Im Hause seines Schwiegervaters Eduard Wallnöfer habe er Brugger mehrmals erlebt. Auch Wallnöfer sei lange Zeit Landesrat für Landwirtschaft gewesen. Brugger habe ihm von seiner Tätigkeit im europäischen Parlament erzählt, und er sei überzeugt, dass ohne Brugger die Einstellung der EU zur Berglandwirtschaft heute eine andere wäre. Im Europarat sei er unter anderem zuständig für politische Ethik, und aus dieser Sicht könne er sagen, dass Brugger immer wahrhaftig gewesen sei, dass er tat, was er sagte.

Siegfried Brugger, ehemaliger Kammerabgeordneter und SVP-Obmann, erklärte zunächst, er habe bei der Gedenkfeier nun auch Episoden aus dem Leben seines Vaters gehört, die der Familien noch nicht bekannt gewesen seien. Sein Vater sei in seiner politischen Tätigkeit immer mit Kompetenz und klaren Aussagen aufgetreten, dies habe er auch seien Kindern weitergegeben. Er sei nicht sehr oft zu Hause gewesen, aber die Begegnungen mit ihm seien immer sehr intensiv gewesen.

Seinen Charakter zeige auch die gegen Alois Pupp verlorene Wahl zum Landeshauptmann: Dort sei er knapp unterlegen, weil er sich selber nicht gewählt habe. Sein Leben habe er immer in vollen Zügen gelebt, zum Beispiel auch bei einem Trinkduell, das er gegen Franz Josef Strauß gewann.

Sein Vater sei volksnah gewesen, aber auch ein Intellektueller, er habe zum Beispiel eigentlich Atomphysiker werden wollen und sei von Philosophie begeistert gewesen. Nach 30 Jahren sei immer noch kein Platz und kein Gebäude nach Peter Brugger benannt worden, umso mehr danke er für diese würdige Gedenkveranstaltung.

stol/lpa

stol