Südtirol Online: Nur 17 Prozent der SVP-Wähler wollten Sie als Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl. Elmar Pichler Rolle: Mit diesem Ergebnis bin ich natürlich nicht zufrieden. Aber die klare Entscheidung der Wählerschaft gilt es zu respektieren.STOL: Warum hat es nicht für mehr gereicht?Pichler Rolle: Die Zeit war zu knapp. Ich bin Ende März in den Ring gestiegen, am 8. April war Start des "Wahlkampfes", der am 19. April zu Ende ging. Ich hatte gerade noch Zeit, die sechs Bezirksversammlungen zu besuchen, einen Runden Tisch zu machen, ein paar Interviews und eine Pressekonferenz zu geben. Ich bin aber froh, dass dies dazu beigetragen hat, richtige Wahlstimmung aufkommen zu lassen. Denn 46 Prozent Wahlbeteiligung sind ein sensationelles Erlebnis, das auch Arno Kompatscher legitimiert. Dass er so klar gewonnen hat, liegt auch daran, dass sich viele im Vorfeld schon auf ihn fixiert hatten und einfach nicht mehr für mich erreichbar waren. STOL: Mit welchem Ergebnis haben Sie gerechnet?Pichler Rolle: Vom Gefühl her mit 25 bis 30 Prozent, weil die Diskussionen und die Auftritte gut waren. Aber die Südtiroler sind so. Wenn sie sich einmal auf eine Person festgelegt haben und denken, der könnte es machen, dann schenken sie ihm auch das Vertrauen. Das stimmt mich wiederum zuversichtlich für Arno Kompatscher und die SVP bei den Landtagswahlen im Herbst. STOL: Sie führen Ihre Niederlage auf Ihren späte Kandidatur zurück. Sie hätten sich aber auch deutlich früher entscheiden können.Pichler Rolle: Habe ich nicht getan, weil ja lange Zeit Richard Theiner der einzige Kandidat war und gegen den Obmann wäre ich in der Form nicht angetreten. Ich habe beschlossen einzusteigen, als die Medien von einer Zerreißprobe für die Partei sprachen und die Partei gesagt hat, es braucht mehr Kandidaten, damit diese Gefahr der Spaltung nicht mehr besteht. Deshalb bin ich eingestiegen. Jetzt ist diese Spaltungsgefahr hoffentlich nicht mehr da. Warum? Die SVP-Wirtschaftsvertreter haben bei der Basiswahl glaube ich gut abgeschnitten, Kompatscher hat gut abgeschnitten, die Wahlbeteiligung war gut und die Arbeitnehmer können – auf einen ersten Blick – mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Wahl blicken. Insgesamt ist es zufriedenstellend gelaufen – natürlich nicht für mich persönlich. STOL: Im Bezirk Bozen, ihrem Bezirk, sind Sie nicht unter den sieben bindenden Kandidaten für die Liste bei den Landtagswahlen. Eine bittere Niederlage. Pichler Rolle: Ich habe hier keinen Wahlkampf gemacht, weil das nicht kommunizierbar war. Ich hätte sagen müssen: Wenn ihr mich hier nicht wählt, dann bitte dort. Man kann auch nicht verlangen, dass jemand zwei Mal den gleichen Namen ankreuzt – also einmal bei der Wahl zum Spitzenkandidaten, dann noch einmal für die Nominierung der Landtagskandidaten. Es war ein bisschen verkorkst. Deshalb habe ich mit Obmann Richard Theiner, dem Bezirksobmann und mit Arno Kompatscher im Vorfeld ausgemacht, dass ich bei den Landtagswahlen im Herbst auf die Liste komme. Deshalb habe ich es unterlassen, mich im Bezirk aktiv zu bewerben und habe damit gerechnet, dass es knapp werden könnte. Es hätte fast gereicht, ist sich aber nicht mehr ausgegangen. Interview: Rupert Bertagnolli