Stein des Anstoßes ist das Bemühen, Allgemeinmediziner von „Vertragspersonen“ zu „Arbeitnehmern“ zu machen, also statt der bisherigen Konventionen zu Angestelltenverhältnissen zu gelangen, obwohl laut Entwurf alle Haus- und Kinderärzte dazwischen frei wählen können. <BR /><BR />„Dennoch geht die Tendenz hin zum Angestelltenverhältnis, wohl aus der Not geboren, um damit leichter die neuen, vom PNRR vorgesehenen Strukturen wie die Gemeinschaftshäuser mit Haus- und Kinderärzten bestücken zu können“, kommentiert der Lananer Hausarzt und FIMMG-Vertreter Dr. Domenico Bossio. <BR /><BR />Die Hausärzte seien bereit, ihren Beitrag zu den Gemeinschaftshäusern zu leisten, „aber als FIMMG sehen wir keinen Nutzen im Übergang zur Abhängigkeit, auch wenn dieser freiwillig ist“, stellt Dr. Bossio klar. Mehr Ärzte würden es dadurch jedenfalls nicht, im Gegenteil: „Es besteht die Gefahr, dass sich weniger Nachwuchskräfte für die Allgemeinmedizin entscheiden.“ Angestelltenverhältnisse könnten zudem dazu führen, dass Hausärzte nur mehr ihre „Schichten“ abdeckten und außerhalb der Dienstzeiten für Patienten nicht erreichbar seien.<BR /><BR /><embed id="dtext86-70097705_quote" /><BR /><BR />Das sieht auch die Präsidentin der Ärztekammer und Vertreterin der Hausärztegewerkschaft SNAMI, Dr. Astrid Marsoner, so: „Der enge Kontakt des Hausarztes mit seinen Patienten geht auf diese Weise verloren, und meiner Meinung nach blendet man in Rom damit die realistische Situation in ländlichen Gebieten aus. Auf den ersten oberflächlichen Blick scheint es manchem die Lösung für den Ärztemangel zu liefern, auf Dauer besteht aber die Gefahr, dass die Neuregelung zu Nachteilen für die Patienten führt.“<h3> Ausbildung soll auch neu geregelt werden</h3>Freude hat man hingegen mit der Aufwertung der Allgemeinmedizin durch die Neuregelung der Ausbildung. Die soll künftig ähnlich einer Facharztausbildung von den bislang regionalen Kursen in eine universitäre Spezialisierung für Ärzte der Grundversorgung umgewandelt werden: „Das ist eine gute Sache“, finden Dr. Bossio und Dr. Marsoner. Auch wenn Letztere vermutet, dahinter stecke bei der Regierung weniger der Wunsch, die Allgemeinmedizin aufzuwerten, als der für die Angestelltenverhältnisse eine gleichgestellte Rolle zu den ärztlichen Leitern im Krankenhaus zu finden. <BR /><BR />Dr. Marsoner ist vom derzeitigen Entwurf alles andere als begeistert: „Es bleiben immer noch viele Fragen offen. Und das Ganze erscheint mir wie ein Herumirren zwischen Ärztemangel, PNRR-Strukturen und Vertragsverhandlungen.“ Aus dem Südtiroler Gesundheitsressort wollte man sich zu dem Entwurf nicht äußern.