Donnerstag, 02. Juli 2020

Plan Prags 2020: Zugang für weniger Besucher – mehr Naturerlebnis

Land, Gemeinde und IDM wollen das Dolomiten-Welterbe in Prags sanft erfahr- und erlebbar machen. Nach dem Ausbau der nachhaltigen Mobilität gibt es heuer einen limitierten Zugang zum Pragser Wildsee.

Landesrätn Kuenzer, Landesrat Alfreider, Bürgermeister Mittermair und IDM-Präsident Pichler: „Gemeinsame Lösungen für das nachhaltige Erleben des Pragser Tals finden.“
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Landesrätn Kuenzer, Landesrat Alfreider, Bürgermeister Mittermair und IDM-Präsident Pichler: „Gemeinsame Lösungen für das nachhaltige Erleben des Pragser Tals finden.“ - Foto: © LPA/Angelika Schrott
Den Plan Prags 2020 haben Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, die für das Unesco-Welterbe zuständige Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer, der Pragser Bürgermeister Friedrich Mittermair und IDM-Präsident Hansi Pichler am Donnerstag in Bozen vorgestellt.

Welterbe nachhaltig erlebbar machen

Gemeinsames Ziel der Zusammenarbeit zwischen Land, Gemeinde Prags und dem Wirtschaftsdienstleister IDM Südtirol ist es, das Dolomiten- Welterbe in Prags nachhaltig erlebbar zu machen. Aufbauend auf die bisher gemachten Erfahrungen sowie erste Ergebnisse einer Studie der Stiftung Dolomiten UNESCO greifen diesen Sommer neue Maßnahmen.

Wie Landesrat Alfreider eklärt, lag der Fokus im Jahr 2019 auf der Verlagerung des Verkehrs auf umweltfreundliche Mobilitätsmittel: „Heuer werden diese weiter angeboten, aber auch der Zugang zum See wird beschränkt.“

Mutige Maßnahmen für besonderes Naturerlebnis gefragt

Dass dies nicht von ungefähr kommt, zeigen die Daten einer Erhebung, die Landesrätin Kuenzer präsentierte. Bei unbeschränktem Zutritt waren 2018 von Juli bis September noch 1,2 Millionen Besucher im Pragser Tal, also durchschnittlich 9936 Menschen pro Sommertag hin bis zu einem Spitzenwert von 17.874 an einem Augusttag. Im August wurden 393.522 Besucher verzeichnet. Mit einer neuen Tragfähigkeitsstudie nimmt die Stiftung Dolomiten UNESCO die Auswirkungen auf Natur, soziales Umfeld sowie die Wirtschaft unter die Lupe.

„Das Naturerlebnis der Besucher und Bewohner des Tales soll aufgewertet werden“, erklärte Kuenzer die wichtigste Erkenntnis. Die Verstärkung der nachhaltigen Mobilitätsmittel und die teilweise Straßensperre waren ein Schritt in die richtige Richtung, sind sich Kuenzer und Alfreider einig. Pro Sommermonat waren 2019 im Durchschnitt rund 250.000 Menschen am See. „Es braucht weitere mutige Maßnahmen. Setzen wir auf die Natur – sie ist unser Kapital“, unterstrich Kuenzer.

Mehr Radler und Fußgänger – weniger Busgäste und Pkws

Auch Landesrat Alfreider betonte, dass das Pragser Tal mit dem einzigartigen Welterbe für Besucher und Bewohner aufgewertet werden solle. Gemeinsam mit der Verkehrskommission der Gemeinde und dem Tourismusverein haben IDM und Land den Plan Prags 2020 erarbeitet. „Gesund und umweltfreundlich, also mit dem Rad oder zu Fuß, kommt man immer zum See“, unterstreicht Alfreider. Auch SVP-Landtagsabgeordneter Helmut Tauber sieht in diesem Plan einen Vorreiter in Sachen Mobilitätsmanagement.

Entsprechend wurden die Radverleihe in Prags, Niederdorf und Welsberg potenziert. Auch am See wurden laut Alfreider mehr Radparkplätze geschaffen. „Für den Verkehr mit Privatfahrzeug bleibt die Straße ins Pragser Tal vom 10. Juli bis zum 10. September so lange geöffnet bleibt, bis die Parkplätze im Tal belegt sind und dann bis 15 Uhr gesperrt“, kündigte Alfreider an.

Ab 10. Juli bringen die Busse der2 Linien (439 und 442) Besucher an den Pragser Wildsee. Allerdings ist heuer eine Online-Reservierung mit Online-Zahlung über ein neues Portal von Gemeinde und IDM erforderlich. Sobald die Plätze ausgebucht sind, gibt es mit dem Bus-Shuttle keinen Zugang mehr. Für SüdtirolPass-Besitzer sind ohne Online-Reservierung einige Plätze vorbehalten.

Besucherzahl deutlich senken für mehr Wertschöpfung und Umweltschutz

Die Fahr-Beschränkungen gelten natürlich nicht für die Bewohner des Pragser Tals, präzisierte Bürgermeister Mittermair. Für Gäste von Speiselokalen, Geschäften und anderen gibt es gegen Voranmeldung Durchfahrtsgenehmigungen – ebenso für Feriengäste des Pragser Tals. „Wir erwarten uns von der Kontingentierung eine Steigerung der Exklusivität und schlussendlich mehr Wertschöpfung für das Tal und natürlich mehr Schutz für das sensible Ökosystem“, sagte der Bürgermeister.

Durch eine Beschränkung der Fahrgästeanzahl in den Bussen kombiniert mit dem Reservierungssystem rechnet Mittermair mit einer Durchschnittsbesucherzahl von rund 4500 bis 5000 Personen gleichzeitig (2019: 7000 Besucher). Mittermair verwies auch auf die Buslinie (443) von Welsberg auf die Plätzwiese, für die es keine Reservierung braucht.

Hotspots sicherer machen und „Erlebensraum“ auch lebenswert halten

Vom Konzept ist auch IDM-Präsident Pichler überzeugt: „Wir müssen die Hotspots in Südtirol durch eine Kontingentierung und Reglementierung des Gästezustroms zum einen sicherer machen und zum anderen als Wirtschafts- und Lebensraum für die Einheimischen und Erlebensraum für die Gäste attraktiv und lebenswert erhalten.“

Dies könne nur eine Gemeinschaftsleistung von vielen Akteuren wie Land, Gemeinde, Partnern im Tourismus und in der Mobilität sein, so Pichler. Um alle angemessen zu informieren, hat die IDM ein Kommunikationspaket vorbereitet, vom Faltblatt über Videos bis hin zu Instagram-Beiträgen.

lpa

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