In wenigen Wochen ist es so weit: In Südtirol stehen die Gemeinderatswahlen an – doch ein beunruhigender Trend zeichnet sich ab: Immer weniger Menschen sind bereit, für ein politisches Amt zu kandidieren. <BR /><BR />Was früher als ehrenvolle Aufgabe galt – sich für die Gemeinschaft einzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten – scheint heute für viele unattraktiv oder gar abschreckend geworden zu sein. Und das ist nicht weiter verwunderlich.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69199607_quote" /><BR /><BR />Wer sich heute in die Politik wagt, setzt sich nicht nur der öffentlichen Kritik aus – was in einer Demokratie selbstverständlich und wichtig ist –, sondern wird allzu oft Zielscheibe für unsachliche Angriffe, persönlichen Spott und offenen Hass. <BR /><BR />Vor allem in den sozialen Medien entlädt sich regelmäßig eine Welle von Beschimpfungen gegenüber Politikern, die jede Grenze des Anstands überschreitet. Da wird nicht mehr über Inhalte gestritten, sondern über Menschen hergezogen. Pauschale Verachtung ersetzt die sachliche Auseinandersetzung, und wer sich engagiert, muss damit rechnen, digital an den Pranger gestellt zu werden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69199608_quote" /><BR /><BR />Diese Entwicklung betrifft längst nicht nur die „große“ Politik. Auch auf lokaler Ebene, wo der Kontakt zur Bevölkerung am direktesten ist, schlägt den Gemeinderäten oft Misstrauen, Undank oder gar Aggression entgegen. Kein Wunder also, dass immer weniger Bürger kandidieren: Wer tut sich das heute noch freiwillig an?<BR /><BR />Es ist ein gefährlicher Kreislauf: Weniger Respekt führt zu weniger Engagement. Und weniger Engagement wiederum zu weniger Vielfalt, weniger Demokratie, weniger Mitbestimmung. Die politische Kultur verroht – nicht nur gegenüber Politikern, sondern auch gegenüber anderen Berufsgruppen wie Journalisten, die ebenfalls zunehmend unter verbalen Attacken leiden. Das Grundproblem ist überall dasselbe: Es fehlt an gegenseitigem Respekt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69199609_quote" /><BR /><BR />Wenn wir also wollen, dass auch in Zukunft Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – sei es im Gemeinderat, im Landtag oder anderswo –, dann braucht es eine Rückbesinnung auf den Wert der demokratischen Debatte. Kritik? Ja, unbedingt. Aber konstruktiv, respektvoll und ohne Hass, Neid und Missgunst. <BR /><BR /> <a href="mailto:arnold.sorg@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">arnold.sorg@athesia.it</a>