Die Grundschullehrerin und politisch stark engagierte Grödnerin hat für die junge Generation von Frauen auch einen hilfreichen Tipp parat. <BR /><BR /><b>Frau Moroder, Sie wurden bei der 21. SVP-Landesfrauenversammlung als ladinische Landesfrauenreferentin bestätigt. Worin sehen Sie ihre Aufgabe?</b><BR />Lara Moroder: Meine Aufgabe wird es vor allem weiterhin sein, Frauen für die Politik in der SVP zu gewinnen. Als Grödnerin möchte ich auch stärker den direkten Kontakt mit dem Gadertal suchen und pflegen. <BR /><BR /><b>Menschen für die Politik zu gewinnen, ist sicher kein leichtes Unterfangen. Wie wollen Sie das machen?</b><BR />Moroder: Indem man die Politik insgesamt attraktiv macht. Es herrscht derzeit wenig Motivation, sich politisch zu engagieren und es ist schwer, jemanden zu finden. Aber unsere Gesellschaft und unser Ehrenamt hängen davon ab. <BR /><BR /><b>Wie meinen Sie das?</b><BR />Moroder: Ich für mich sehe es als eine Verantwortung, die ich trage. Ich bin schon lange politisch aktiv. Zunächst durch meine ehrenamtliche politische Arbeit im Dorf, in Gröden und in Ladinien. Die Politik wird oft zu Unrecht kritisiert, das schreckt viele ab. Durch Gespräche mit den Vertreterinnen in den SVP-Ortsausschüssen möchte ich es schaffen, noch mehr Frauen für die Politik zu gewinnen. <BR /><BR /><b>Sind es die sogenannten Frauenthemen, mit denen Sie die Frauen motivieren wollen?</b><BR />Moroder: Ich halte nicht viel von diesen speziellen Frauenthemen. Frauen interessieren sich meiner Meinung nach für alle Themen in allen Sparten; sei es politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und sozial. Den Frauen geht es um die Politik, nicht speziell um die Frauenthemen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-57421617_quote" /><BR /><BR /><b>Also weg von diesen Frauenthemen?</b><BR />Moroder: ... Weg von Frauenpolitik hin zur Politik. Ich sage, wir haben unser Ziel erreicht, wenn wir diese Unterscheidung nicht mehr machen müssen. Wir machen nämlich Politik, und zwar alle zusammen. Und je mehr Frauen mitarbeiten, desto besser ist es für die Politik.<BR /><BR /><b>Das lenkt jetzt automatisch zur Frage nach der Frauenquote. Was halten Sie davon?</b><BR />Moroder: Das ist ein schwieriges Thema. In Gesprächen mit vielen Frauen wurde mir mitgeteilt, dass sie nicht viel davon halten. Ich glaube, es hat die Frauenquote gebraucht, aber man darf es nicht auf die Spitze treiben.<BR /><BR /><b>Wie meinen Sie das?</b><BR />Moroder: Es hat die Quote gebraucht, um den Frauen eine Chance zu geben mitzuarbeiten. Jetzt ist es die Arbeit, die zählt. Es darf nicht sein, dass die Frauenpolitik in Zusammenhang mit der Frauenquote gesehen wird, sonst treibt es einen Keil zwischen die Geschlechter.<BR /><BR /><b>Bestimmte Themen stehen unweigerlich bei Frauenvertreterinnen weiter oben auf der Agenda. Was sagen Sie zur Lohnungerechtigkeit zwischen den beiden Geschlechtern?</b><BR />Moroder: Das darf es einfach nicht geben, das finde ich erschreckend.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57421619_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Wie steht es um das Thema Vereinbarkeit Beruf und Familie?</b><BR />Moroder: Ich finde, die Eltern müssen viele Betreuungsmöglichkeiten haben, wenn auch meiner Meinung nach nicht immer institutioneller Art. Für die Gesellschaft wäre es äußerst positiv, wenn die Elternzeit anerkannt würde und die Sozialabgaben bzw. Pension einbezahlt werden würde. <BR /><BR /><b>Als ladinische Landesfrauenreferentin sind sie in Gröden und dem Gadertal tätig. Worin unterscheiden sich die beiden Ladinischen Täler vom restlichen Land?</b><BR />Moroder: Es sind zwei touristisch hoch entwickelte Täler. Die Frauen arbeiten vielfach in Klein- und Mittelbetrieben. Sehr viele Kleinunternehmerinnen spüren einen Unmut, der derzeit allgemein herrscht. Auch die Sprache und das Bildungssystem sind anders. <BR /><BR /><b>Noch eine letzte Frage: Was für einen Tipp würden Sie heranwachsenden Frauen für die Zukunft geben?</b><BR />Moroder: Oh, das ist schwierig. Vielleicht mit Bodenständigkeit und Mut ins Leben zu gehen und versuchen wieder mehr Resilienz zu erlangen. Die ist leider ein wenig verloren gegangen.<BR /><BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />Lara Moroder (53) ist in Urtijëi/St. Ulrich aufgewachsen. Sie engagierte sich bereits früh politisch: Seit 2010 ist sie in der Gemeindepolitik von St. Ulrich aktiv, zunächst als Gemeinderätin, dann als Vizebürgermeisterin (2016–2020), seit der Wahl im September 2020 als Gemeinderätin auf der Oppositionsbank. Sie ist SVP-Vizeobfrau von St. Ulrich und SVP-Gebietsobfrau von Gröden. <BR />Bei der 21. SVP-Landesfrauenversammlung am 26. November wurde sie als ladinische Landesfrauenreferentin per Akklamation bestätigt. Privat ist Moroder Mutter eines Sohnes (27) und einer Tochter (24). Sie ist Grundschullehrerin und führt mit ihrer Familie einen kleinen touristischen Betrieb der Privatzimmervermietung in St. Ulrich. <BR />