Sonntag, 22. November 2020

Polizeigewalt bei Protesten gegen Lukaschenko

Tausende Menschen haben trotz Polizeigewalt zum 15. Mal in Serie bei einer Sonntagsdemonstration in Weißrussland gegen Machthaber Alexander Lukaschenko friedlich protestiert. In der Hauptstadt Minsk versammelten sich die Menschen zunächst in ihren Wohnvierteln und bildeten dann Protestzüge mit den historischen weiß-rot-weißen Fahnen. Die Polizei begann schon zu Beginn der nicht genehmigten Versammlungen mit Festnahmen.

Friedlicher Widerstand gegen weißrussischen Präsidenten Lukaschenko.
Friedlicher Widerstand gegen weißrussischen Präsidenten Lukaschenko. - Foto: © APA (AFP) / STRINGER
Das Menschenrechtszentrum Wesna veröffentlichte die Namen der Festgenommenen. An den vergangenen beiden Sonntagen kam es jeweils zu rund 1000 Festnahmen. Auch in anderen Städten forderten Menschen erneut Lukaschenkos Rücktritt.

Der Machtapparat zog Hundertschaften Uniformierter von Innenministerium und Armee in Minsk zusammen. Gefangenentransporter, Wasserwerfer und andere schwere Technik standen bereit. Die großen Plätze der Hauptstadt waren mit Metallgittern abgesperrt, wie auf Bildern im Nachrichtenkanal Telegram zu sehen war. Die Behörden regelten das mobile Internet herunter und sperrten etwa 10 Metrostationen - so sollten Massenansammlungen verhindert werden.

Proteste seit mehr als 3 Monaten


Offiziell war die Aktion diesmal als „Marsch gegen den Faschismus“ angekündigt. Die Organisatoren regierten damit auf jüngste Beschimpfungen durch Lukaschenko, sie seien Faschisten.

Die Proteste der Demokratiebewegung dauern seit mehr als 3 Monaten an. Die Bewegung fordert auch ein Ende der Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten, die Freilassung aller politischen Gefangenen und Neuwahlen. Lukaschenko beansprucht den Sieg der Präsidentenwahl vom 9. August mit 80,1 Prozent der Stimmen für sich - nach 26 Jahren im Amt. Die Opposition sieht dagegen die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als Siegerin der Wahl.

apa