Freitag, 30. August 2019

Prager Umweltministerium billigte Ausbau des AKW Dukovany

Das tschechische Umweltministerium hat den geplanten Ausbau des südmährischen Atomkraftwerkes Dukovany gebilligt. Der teilstaatliche Tschechische Energiekonzern (CEZ) habe ein positives Gutachten im Rahmen des Umweltverträglichkeitsverfahren erhalten, teilte das Ministerium am Freitag mit. Das österreichische Umweltministerium reagierte mit einer Protestnote.

Das tschechische Atomkraftwerk Dukovany soll ausgebaut werden. - Foto: APA
Das tschechische Atomkraftwerk Dukovany soll ausgebaut werden. - Foto: APA

Der Bau von 1 bis 2 neuen Reaktoren in Dukovany werde „annehmbare Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung” haben, heißt es in dem Gutachten. An dem Umweltverträglichkeitsverfahren haben auch die Nachbarländer von Tschechien teilgenommen. Das Umweltministerium habe rund 16.000 Bemerkungen aus der Öffentlichkeit - vor allem aus Österreich - erhalten, hieß es.

Das Gutachten ist noch keine endgültige Zustimmung für den Ausbau, sondern nur eine fachliche Unterlage für das weitere Verfahren. Bisher gibt es 4 Reaktoren in dem Atomkraftwerk, das rund 100 Kilometer nördlich der österreichischen Hauptstadt Wien, und nur um die 35 Kilometer entfernt von der österreichischen Grenze liegt. Die Druckwasserreaktoren der russischen Bauart WWER-440/213 wurden in den Jahren 1985 bis 1987 in Betrieb genommen. Das Kraftwerk deckt rund ein Fünftel des tschechischen Stromverbrauchs.

Österreich brachte Protest ein

Die geplanten 1 bis 2 neuen Reaktoren sollen die bestehenden 4 Blöcke schrittweise ersetzen. Bis Ende des Jahres will die tschechischen Regierung mit dem Energiekonzern CEZ einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen, um 2020 mit der Vorbereitung für das Ausschreibungsverfahren für den Ausbau zu beginnen.

Das offizielle Österreich brachte einen Protest ein: „Wir lehnen den geplanten Ausbau nach wie vor ab und halten an dieser Einschätzung fest”, erklärte das Umweltministerium am Freitag. Im Zuge des grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsverfahren (UVP) hätten fast 80.000 Österreicher Stellungnahmen eingebracht. „Das zeigt, wie wichtig dieses Thema den Menschen ist. Darum lautet unser Ziel: 100 Prozent aus erneuerbaren Energien”, hieß es aus Umweltministerium.

Alle möglichen Schritte gegen weitere Atomreaktoren

Kritik an den tschechischen Ausbauplänen äußerte am Freitag auch die frühere Umweltminister Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Es ist völlig unverständlich, wie man heute noch neue Atommeiler errichten kann”, erklärte Köstinger. „Atomkraft ist keine Technologie der Zukunft, sie ist nicht sauber, sie ist nicht klimaschonend, sie ist nicht billig und sie ist vor allem gefährlich”. Die frühere Umweltministerin forderte eine Wiederholung des UVP-Verfahrens und eine Offenlegung der Finanzierung des neuen Reaktors.

Der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober (Grüne) kündigte an: „gemeinsam mit NGOs aus Tschechien und vielen BürgerInnen Tschechiens werden wir alle politischen und rechtlichen Schritte gegen weitere Atomreaktoren ergreifen, die möglich sind.” Ein besonders kritischer Punkt am AKW-Standort Dukovany sei der Kühlwasser-Mangel, kritisierte Anschober, „denn die knappen Wassermengen im Fluss Jihlava sind bereits jetzt problematisch und verschärfen sich durch die wachsende Klimakrise”.

apa

stol