Der Enkel des letzten italienischen Königs Umberto II. <BR />sprach sich in einem Interview mit der Mailänder Zeitung „Il Giornale“ <BR />dafür aus, dass Umberto II. und seine Ehefrau Maria José im Pantheon in Rom beigesetzt werden.<BR /><BR />„Nach 80 Jahren Exil richte ich einen eindringlichen Appell an Präsident Mattarella: Er möge erlauben, dass die sterblichen Überreste von Umberto II. und Maria José nach Italien zurückkehren und im Pantheon in Rom ruhen können“, sagte Emanuele Filiberto. Dort seien bereits die ersten beiden Könige des geeinten Italien sowie Königin Margherita bestattet. „Ich hoffe, dass endlich die Zeit der Versöhnung gekommen ist“, sagte der 53-jährige Erbe der Savoyen-Dynastie.<BR /><BR />Die Forderung fällt in eine Zeit, in der Italien an die Gründung der Republik vor 80 Jahren erinnert. Beim Referendum vom 2. Juni 1946 hatte sich eine knappe Mehrheit der Italiener für die Abschaffung der Monarchie ausgesprochen. Für das Haus Savoyen begann damit das Exil. <BR /><BR />Umberto II., der nur wenige Wochen als König regierte und als „Maikönig“ in die Geschichte einging, verließ das Land und lebte bis zu seinem Tod 1983 in Portugal. Seine Ehefrau Maria José starb 2001 in der Schweiz.<BR /><BR />Im Interview erinnerte Emanuele Filiberto an seine Großmutter als außergewöhnlich gebildete und unabhängige Persönlichkeit. Maria José habe ihm als Kind viele historische Ereignisse aus Sicht der Dynastie geschildert und ihm die Geschichte des Hauses Savoyen nähergebracht. <BR />Ihr widmete er sein jüngstes Buch „La Regina di Maggio“ (Die Maikönigin).<BR />Zugleich warb Emanuele Filiberto für eine differenzierte Betrachtung der italienischen Monarchie. Die Geschichte des Königreichs Italien dürfe nicht allein auf die Verbindung der Dynastie zum Faschismus reduziert werden, sagte er. Die 85 Jahre der Savoyer-Herrschaft hätten auch die nationale Einigung und den Aufbau des modernen italienischen Staates umfasst. Das faschistische Regime verurteile er jedoch „mit aller Entschiedenheit“.<BR /><BR />Besonders hob der Prinz die Rolle seines Großvaters hervor. Umberto II. habe 1945 als Statthalter des Königreichs das Dekret zur Einführung des Frauenwahlrechts unterzeichnet. Zudem seien er und Maria José Gegner des Faschismus gewesen. Die spätere Königin pflegte Kontakte zu Regimekritikern wie Benedetto Croce und Alcide De Gasperi und galt den Faschisten als unbequeme Persönlichkeit.<BR /><BR />Nach dem Ende der Monarchie gingen Umberto II. und Maria José getrennte Wege. Während der ehemalige König mit den Töchtern in Portugal lebte, zog Maria José mit ihrem Sohn Vittorio Emanuele, Emanuele Filibertos Vater, in die Schweiz. Trotz der Trennung sei der gegenseitige Respekt stets erhalten geblieben, sagte Emanuele Filiberto.<BR />Die sterblichen Überreste von Umberto II. und Maria José befinden sich derzeit in der Abtei Hautecombe in Frankreich. Eine Rückführung nach Italien würde die Zustimmung der staatlichen Behörden erfordern. Ob der Appell des Savoyer-Prinzen Erfolg haben wird, ist derzeit offen.<BR /> Auf die Familie Savoyen sind viele Italiener heute schlecht zu sprechen. <BR /><BR />Nach dem „Marsch auf Rom“ der Faschisten am 27. und 28. <BR />Oktober 1922 ernannte der damalige König Vittorio Emanuele III. <BR />Mussolini zum Ministerpräsidenten. 1938 unterzeichnete er die sogenannten italienischen Rassengesetze, derentwegen die Juden in dem Land schikaniert, verfolgt und schließlich auch deportiert wurden. Der König duldete das Mussolini-Regime und verlieh ihm damit zusätzliche Legitimation. Dies sorgte bereits nach Kriegsende für einen schweren Reputationsverlust der Familie. Vittorio Emanuele III. dankte 1946 zwar zugunsten seines Sohnes Umberto II. ab. Das änderte jedoch<BR />nichts: In einem Referendum knapp einen Monat später entschieden sich die Italiener für die Republik und die parlamentarische Demokratie und damit gegen Umberto II. und das Haus Savoyen.<BR /><BR />Die männlichen Nachkommen der Königsfamilie wurden nach dem Ende der Monarchie in Italien 1946 ins Exil verbannt. Das italienische Parlament hob das Einreiseverbot erst 2002 auf. Vittorio Emanuele und Emanuele Filiberto, die die meiste Zeit ihres Exils in der Schweiz verbrachten, verzichteten auf den Thronanspruch. Vittorio Emanuele starb 2024 86-jährige in Genf.