Sonntag, 08. März 2020

Prinzen in Saudi-Arabien wegen Putschpläne festgenommen

Erbitterter Machtkampf in Saudi-Arabien: Die Wachen des ultrakonservativen Königreichs nahmen 3 Prinzen fest, weil sie angeblich den mächtigen Thronfolger Mohammed bin Salman stürzen wollten. Unter den Festgenommenen sind ein Bruder und ein Neffe von König Salman, wie mehrere Quellen am Samstag bestätigten.

Angeblich sollte der Thronfolger Mohammed bin Salman gestürzt werden.
Angeblich sollte der Thronfolger Mohammed bin Salman gestürzt werden. - Foto: © APA (AFP/Saudi Royal Palace) / BANDAR AL-JALOUD
Nach Einschätzung einer der Quellen hat Prinz Mohammed auf seinem Weg zum Thron nun keinen Widersacher mehr. Der Königsbruder Prinz Ahmed bin Abdulasiz al-Saud und der Neffe des Monarchen, Prinz Mohammed bin Najef, wurden am Freitag wegen angeblicher Putschpläne festgenommen, wie ein arabischer und ein westlicher Vertreter der Nachrichtenagentur AFP in Riad bestätigten. Nach Informationen der US-Zeitung „Wall Street Journal“, die zuerst über die Vorgänge berichtete, könnten die beiden Prinzen und früheren Thronanwärter nun zum Tode oder zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden. Auch Prinz Nayefs jüngerer Bruder, Prinz Nawaf bin Nayef, wurde festgenommen.

Damit dürfte Kronprinz Mohammed, der die Schlüsselministerien Verteidigung und Wirtschaft kontrolliert, seine Macht als De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens weiter ausbauen können. Bereits in den vergangenen Jahren hatte er prominente Geistliche, Prinzen, Geschäftsleute und Aktivisten inhaftieren lassen, die sich ihm in den Weg gestellt hatten.

Starke Kritik nach Khashoggi-Affäre

Das internationale Ansehen des zunächst als Reformpolitiker geltenden Prinzen Mohammed hat vor allem durch die Khashoggi-Affäre großen Schaden genommen.

Der Journalist und Regierungskritiker Jamal Khashoggi wurde im Oktober 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul von einem Killerkommando aus Saudi-Arabien ermordet. Immer wieder wird der Vorwurf erhoben, der Prinz sei in diesen Mord verwickelt.

Saudi-Arabien hat derzeit mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wegen der weltweiten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sind die Preise für Erdöl, die wichtigste Einnahmequelle des Golfstaates, gefallen. Zum Schutz vor der Epidemie setzte Saudi-Arabien die Umrah, die sogenannte kleine Pilgerfahrt, nach Mekka und Medina aus.

apa

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