In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Presse“ sagt Prodi, dass die „Hinhaltetaktik“ Merkels die Krise „bestimmt verschärft“ habe.„Wenn Merkel in manchen Situationen schneller gehandelt hätte, wäre der Prozess der Krisenrettung auch früher vorbei gewesen“, so der Prodi, der sich gleichzeitig für eine Stärkung der EU-Institutionen aussprach.In punkto Eurozone gab sich Prodi zuversichtlich. Er sei „ziemlich sicher“, dass in den kommenden Jahren kein Land die Währungsunion verlassen müsse.Kein „Grexit“ An einen oft prognostizierten „Grexit“, einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone, glaube er nicht, obwohl er auch nicht ausschließen könne, dass „dieser Fehler trotzdem geschieht“, betonte Prodi. Der Schaden für die restliche Eurozone wäre dann „jedenfalls viel größer als der Nutzen“.Eine weitere Unterstützung Athens sei also der „günstigere Weg“, auch wenn es im Gegenzug „natürlich ernsthafte Sparmaßnahmen“ geben müsse.„Kein europäisches Land ist heute noch souverän“ Die Entwicklungen der letzten Wochen ließen ihn hoffen, sagte Prodi in Anspielung auf die Wahlsiege proeuropäischer Parteien in den Niederlanden und die Entscheidungen des deutschen Bundesverfassungsgerichts hinsichtlich des Stabilitätsmechanismus ESM sowie jener der Europäischen Zentralbank (EZB), unbegrenzt Staatsanleihen krisengeschüttelter Länder zu kaufen.Die EZB-Entscheidung bezeichnete er als „notwendigen Schritt, weil kein europäisches Land heute noch souverän ist“. Die Erholungsphase nach der Krise könne jedenfalls „lange dauern“, so Prodi, der von 1996 bis 1998 und von 2006 bis 2008 auch Ministerpräsident war.Prodi fordert stärkere EU-KommissionProdis Ansicht nach muss die EU-Kommission wieder eine „politische Kraft sein, die proaktiv Vorschläge macht“.Er trete deshalb auch für eine Direktwahl des Kommissionspräsidenten ein. Auch das Europaparlament in Straßburg müsse „mehr Rechte erhalten und Wahlen sollten auf einem europäischen Level stattfinden“, erklärte der Politiker seine Vorstellungen.Der demokratische Prozess müsse vertieft, die „Anonymität der europäischen Entscheidungsprozesse minimiert“ werden, so Prodi.