Sonntag, 05. September 2021

Unruhen begleiten Weihe von Kirchenführer in Montenegro

Begleitet von Unruhen, Protesten und Straßenkämpfen ist am Sonntag der neue serbisch-orthodoxe Kirchenführer in Montenegro geweiht worden. 1800 Polizisten schützten die Zeremonie im Kloster der historischen Hauptstadt Cetinje. Der montenegrinische Metropolit Joanikije und sein Oberhaupt, der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije, erreichten und verließen das Kloster im Hubschrauber.

Die Polizei war im Großeinsatz.
Die Polizei war im Großeinsatz. - Foto: © ANSA / BORIS PEJOVIC
Die Demonstranten wollten die Amtseinführung von Joanikije in Cetinje verhindern. Sie errichteten Blockaden an den Zufahrten nach Cetinje und lieferten sich vor dem Kloster Straßenschlachten mit der Polizei, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur dpa beobachtete. Die Demonstranten warfen Steine gegen die Polizisten, diese antworteten mit Tränengas. Auch die Blockaden löste die Polizei gewaltsam auf. 16 Personen wurden festgenommen oder verhaftet, 7 Polizisten verletzt, berichtete das Nachrichtenportal „vijesti.me“.

Die Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros bewerten die Zeremonie im Kloster der historischen Hauptstadt als Machtdemonstration des pro-serbischen Lagers. Unter den Demonstranten befanden sich mehrere Funktionäre der bis zum Vorjahr regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) des Präsidenten Milo Djukanovic und andere Oppositionsparteien. Der Sicherheitsberater des DPS-Chef und 5 weitere Demonstranten wurden festgenommen.

Premier Zdravko Krivokapic beschuldigte unterdessen die DPS wegen der Organisation von Protesten. „Alles, was in Cetinje passiert ist, ist ein Versuch von Terroraktionen“ ließ Krivokapic im Netz wissen.

Metropolit Joanikije (1959) wurde im Mai von der serbischen Kirchenversammlung in Belgrad zum Nachfolger des im Vorjahr am Covid-19 verstorbenen Metropoliten Amfilohije bestellt. Die vorjährigen Parlamentswahlen haben zum ersten Mal mehrere Oppositionsparteien, darunter die Demokratische Front, gewonnen, die für ihre engen Kontakte zu Belgrad und der serbisch-orthodoxen Kirche bekannt ist. Die DPS musste zum ersten Mal seit 1991 in die Opposition. Die Amtszeit von Präsident Djukanovic läuft noch bis 2022.

apa