Donnerstag, 21. April 2022

Putin: Abriegelung statt Einnahme von Stahlwerk in Mariupol

Russland will die letzte Bastion der ukrainischen Armee in der Hafenstadt Mariupol nun doch nicht erstürmen und setzt stattdessen auf eine Belagerung. „Ich halte die vorgeschlagene Erstürmung des Gewerbegebiets für nicht notwendig“, erklärte Präsident Wladimir Putin am Donnerstag bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu. „Ich befehle ihnen, diese abzusagen.“

Wladimir Putin: „Ich befehle ihnen, diese abzusagen.“ - Foto: © APA/afp / ANDREY GORSHKOV

Nach russischen Angaben haben sich noch rund 2000 Kämpfer in dem dortigen Stahlwerk verschanzt. Es sei nicht nötig, in die Katakomben unter dem Werk einzudringen, sagte Putin. „Riegeln sie das Gebiet ab, so dass keine Fliege durchkommt“, befahl er Schoigu. Laut dem Verteidigungsminister ist das übrige Mariupol inzwischen ganz unter russischer Kontrolle.

Über 1000 ukrainische Ziele mit Artillerie und Raketen angegriffen

Im Osten der Ukraine rückt die russische Armee zudem nach britischen Angaben weiter vor in Richtung der Stadt Kramatorsk. Die russische Agentur RIA berichtet, in der Nacht habe man erneut über 1000 ukrainische Ziele mit Artillerie und Raketen angegriffen.

Die Großstadt Mariupol mit einst über 400.000 Einwohner ist seit Beginn des Krieges heftig umkämpft und seit Wochen von russischen Truppen eingeschlossen. Versuche, die Zivilisten zu evakuieren, scheiterten großteils.

Laut Schoigu habe man aber mehr als 140.000 von ihnen ermöglicht, die Stadt zu verlassen. Von den ukrainischen Streitkräften rund um das Stahlwerk hätten sich fast 1500 Kämpfer bereits ergeben. Den verbliebenen Kämpfern wurde bei Aufgabe eine respektvolle Behandlung zugesagt.

Der Westen will einen Sieg Putins in der Ukraine verhindern

Ukrainische Behörden gehen davon aus, dass sich auch rund Tausend Zivilisten auf dem Gelände des Stahlwerks befinden, zudem mehrere Hundert verletzte Kämpfer. Mariupol am Asowschen Meer gilt als strategisch wichtig. Sie liegt zwischen den pro-russischen, selbst ernannten Volksrepubliken von Luhansk und Donezk und der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim.

Nachdem die russischen Truppen mit ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt Kiew stecken geblieben und von dort abgezogen waren, konzentrieren sie nun ihre Offensive auf den Osten des Landes. Das russische Militär versuche derzeit, die ukrainischen Luftabwehrfähigkeiten im Osten des Landes zu zerstören, teilte das britische Verteidigungsministerium auf Basis eines Lageberichts des Militärgeheimdienstes mit.

Bei der Offensive gebe in der Donbass-Region es aber wohl einen gewissen Zeitdruck. Russland sei wohl bestrebt, vor den jährlichen Feierlichkeiten am 9. Mai zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland bedeutende Erfolge zu erzielen. „Dies könnte sich darauf auswirken, wie schnell und energisch sie versuchen, Einsätze im Vorfeld dieses Datums durchzuführen“, hieß es in einem Tweet.

Der Westen will einen Sieg Putins in der Ukraine verhindern und unterstützt die Ukraine mit Waffen. Zugleich wollen die Staaten aber nicht selbst Kriegspartei werden. Deutschland steht allerdings unter Druck auch schwere Waffen wie Panzer oder Artillerie zu liefern.

Alle Berichte über den Krieg in der Ukraine lesen Sie hier.








apa

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