„Ein Großteil davon liegt in deutschen Staatsanleihen. Sie sind zwar nicht lukrativ, aber stabil“, betonte Putin. Russland habe aber auch deshalb Interesse an einer erfolgreichen Sanierung der Staatsfinanzen in der EU, weil es die Hälfte seines Warenaustausches mit den EU-Staaten abwickele.Zugleich äußerte sich Putin vor seinem anstehenden Besuch in Paris am Freitagabend zurückhaltend zu der Idee von Eurobonds. Über die Instrumente in der Währungszone entscheiden die Europäer. Er sei sicher, dass Eurobonds gekauft würden, wenn Deutschland dahinter stehe. Aber es sei unklar, was passiere, wenn sich Staaten der Euro-Zone nicht an ihre Verpflichtungen hielten. „Wer wird dann für die Staatsanleihen aufkommen? Anscheinend Deutschland“, betonte der russische Präsident.Bundeskanzlerin Merkel versicherte Putin, dass die Europäer ihre Probleme so schnell wie möglich lösen würden. Hintergrund der Zusicherung ist die Sorge der Euro-Regierungen, dass sich große internationale Kapitalgeber vom Euro abwenden könnten. Die Idee gemeinsamer Anleihen wies die Kanzlerin aber erneut zurück. Sie verwies darauf, dass es nicht einmal innerhalb Deutschlands oder der USA gemeinsame Bonds der Bundes- und der föderalen Ebene gebe. Der Weg zur Stabilisierung der Eurozone gehe über Strukturreformen, eine Stärkung der Stabilitätsregeln und die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.Deutschland und Russland wollen jedenfalls ihre Beziehungen nach dem Machtwechsel in Moskau weiter ausbauen. Merkel und Putin hoben dabei insbesondere die wirtschaftliche Zusammenarbeit hervor, die Kanzlerin mahnte indirekt aber auch demokratische Reformen an. Beide vereinbarten, die deutsch-russischen Regierungskonsultationen im Oktober im russischen Kasan fortzusetzen.Nach Spekulationen über Spannungen zwischen Putin und Merkel im Vorfeld des Besuches waren beide bemüht, ihre künftige Zusammenarbeit als sachorientiert und professionell darzustellen. Merkel wertete es als Beweis der „sehr intensiven und guten freundschaftlichen Beziehungen“, dass eine seiner ersten Auslandsreisen Putin nach Berlin geführt habe.Die wirtschaftlichen Beziehungen entwickelten sich sehr hervorragend, betonten beide. Dies gelte nicht nur für die Modernisierung der russischen Industrie, sondern auch für die Kooperation im Rohstoffbereich, wie die Erdgaspipeline Nordstream zeige, sagte Merkel.Allein von 2010 auf 2011 habe das Handelsvolumen um 29 Prozent zugenommen. Laut Putin belief sich das Volumen auf knapp 72 Milliarden US-Dollar. Russland werde 2013 außerdem die G20-Präsidentschaft übernehmen, was eine enge Zusammenarbeit auch im internationalen Bereich bedeute, sagte Merkel.Thema sei aber auch die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Russland gewesen, sagte Merkel. „Ich habe von meiner Seite aus deutlich gemacht, dass wir alles Interesse daran haben, dass die demokratische Vielfalt in Russland sich auch weiter entwickeln kann, weil nur so aus meiner Erfahrung heraus auch eine wirklich kräftige Zivilgesellschaft, die die Entwicklung des Landes unterstützt, entstehen kann.“Merkel hatte Putin zuvor mit militärischen Ehren im Kanzleramt empfangen. Beide begrüßten sich mit Wangenküssen – eine Geste, auf die der französische Präsident Francois Hollande bei seinem Antrittsbesuch in Berlin verzichtet hatte.Vor dem Kanzleramt standen einige Dutzend Demonstranten, die Syrien-Flaggen und Transparente mit der Aufschrift wie „Putin ist nicht legitim“ hochhielten. Der Empfang des Kreml-Chefs wurde aus der Ferne von Pfiffen und Anti-Putin-Parolen begleitet. apa/reuters/dpa