Montag, 9. Mai 2022

Putin: „Schrecken eines Weltkriegs dürfen sich nicht wiederholen“

Überschattet von seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine feiert Russland 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs den „Tag des Sieges“. Die Welt blickt gespannt nach Moskau. Kreml-Chef Wladimir Putin warnte davor, „wachsam zu sein und alles zu tun, damit sich die Schrecken eines globalen Krieges nicht wiederholen“. Ein Zeichen für rhetorische Deeskalation?

Russlands-Präsident Wladimir Putin: Eine Generalmobilmachung oder den Einsatz neuer Waffensysteme kündigte er nicht an. - Foto: © APA/afp / KIRILL KUDRYAVTSEV

Kremlchef Wladimir Putin hat zum 77. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg vor einem neuen Weltkrieg gewarnt. Der damalige Kampf bedeute nicht nur die Verpflichtung, das Andenken derer zu erhalten, die den Nazismus besiegt hätten. Aufgabe sei es, „wachsam zu sein und alles zu tun, damit sich die Schrecken eines globalen Krieges nicht wiederholen“, sagte Putin am Montag bei der größten Militärparade des Landes auf dem Roten Platz in Moskau.

Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte am Montag zahlreiche Fotos – in Wladiwostok fuhren auch die Weltkriegspanzer vom T-34 in der Kolonne mit. Im ganzen Land waren 28 Paraden geplant, die mit Abstand größte ist in der Hauptstadt Moskau hat um 9 Uhr MESZ (10 Uhr Ortszeit) begonnen.


In Russland haben die Feierlichkeiten bereits begonnen. - Foto: © APA/afp / ALEXANDER NEMENOV


Den Angriff auf die Ukraine begründete Putin damit, dass der Westen „die Invasion unseres Landes, einschließlich der Krim“ vorbereite.

Die Ukraine habe sich aufgerüstet mit Waffen der NATO und so eine Gefahr dargestellt für das Land. Feinde Russlands nutzten Terroristen, um Russland zu schaden, so Putin. Er sprach erneut von einer „Spezialoperation“ im Nachbarland Ukraine. Eine Generalmobilmachung oder den Einsatz neuer Waffensysteme kündigte er nicht an.

Foto: © ANSA / MIKHAIL METZEL / KREMLIN POOL /



Im Vorfeld der Rede war darüber spekuliert worden, dass Putin solche Schritte verkünden könnte. Stattdessen kündigte er für die Kinder und Familien gefallener Soldaten Hilfen an.

Den Einsatz der russischen Streitkräfte in der Ukraine würdigte der Kremlchef. Die Soldaten kämpften im Donbass in der Ostukraine für die Sicherheit Russlands, so Putin.

Putin beklagt „Russophobie“

Der 69-Jährige betonte, dass der Sieg im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit den westlichen Alliierten errungen wurde, beklagte aber zugleich die dort herrschende „Russophobie“ bei den politischen Eliten. „Uns ist bekannt, dass den amerikanischen Veteranen, die zur Moskauer Parade anreisen wollten, das faktisch verboten wurde“, behauptete Putin.


Unzählige russische Soldaten haben sich auf dem Roten Platz in Moskau versammelt. - Foto: © APA/afp / KIRILL KUDRYAVTSEV


Tausende Soldaten zogen am Montag bei kaltem Wetter auf dem Roten Platz auf. Die mit einem Großaufgebot an Uniformierten gesicherte Innenstadt glich einer Festung. Hunderte Veteranen, die russische Führung sowie Patriarch Kyrill, das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, nahmen auf einer Ehrentribüne Platz.

Putin, der lächelte, begrüßte die Veteranen mit einem Handschlag. In Europas größter Stadt waren auch Tausende Menschen unterwegs, um sich die Waffenschau anzusehen.

Foto: © ANSA / MIKHAIL METZEL / KREMLIN POOL /



Die Flugshow wurde von der russischen Führung unterdessen abgesagt. „Der Luftteil findet wegen des Wetters nicht statt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass am Montag.

Ursprünglich sollten 77 Flugzeuge und Hubschrauber an der Militärparade teilnehmen. Medienberichten zufolge war geplant, dass die Kampfflugzeuge ein „Z“ am Himmel bilden. Dieses Mal ist kein ausländischer Staatschef bei der Parade zu Gast. Insgesamt waren 28 Paraden im flächenmäßig größten Land der Erde geplant.

Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende gegangen. Russland begeht am 9. Mai mit dem „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland seinen wichtigsten Feiertag.

Am Sonntag noch härtere Rhetorik: „Nazi-Abschaum“

Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, forderte Putin am Sonntag in einer Botschaft an die Führer der selbsternannten Republiken Donezk und Luhansk diese auf, gegen den „Nazi-Abschaum“ zu kämpfen. Dabei zog Putin Parallelen zum russischen Erfolg über Deutschland im Zweiten Weltkrieg 1945: „Und wie 1945 werden wir siegen.“

G7: „Putin darf nicht gewinnen“

Zelensky forderte indes die G7-Staaten auf, dass sich die Russen „aus der gesamten Ukraine“ zurückziehen sollten, und die Staats- und Regierungschefs bekräftigten, dass Putin „nicht gewinnen“ dürfe, da „er die auf Regeln basierende internationale Ordnung verletzt hat, insbesondere die Charta der Vereinten Nationen, die nach dem Zweiten Weltkrieg entworfen wurde, um den nachfolgenden Generationen die Geißel des Krieges zu ersparen“.

Alle Berichte zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.

apa/dpa/reuters/afp/stol

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